Musikalische Melancholie | Zélia Fonseca im "domicil"

Dortmund, 8.10.2011 | Wenn sie im „domicil“ zwischendurch von ihr erzählt, werden die Augen noch immer ein wenig feucht. 30 Jahre lang machten Rosanna Tavares und Zélia Fonseca gemeinsam Musik. Mit schließlich viel Erfolg. Dann starb Rosanna im Jahre 2006 an Krebs. Zélia Fonseca brauchte Zeit, um mit der Musik öffentlich weitermachen zu können. Im letzten Jahr erschien ihre erste Solo-CD.

„Impar“ heißt sie und der Titel, der im Portugiesischen sowohl ungerade als auch solo und partnerlos bedeuten kann, macht deutlich: die langjährige gute Freundin und musikalische Partnerin wird noch immer vermisst.

Ein wenig musikalische Melancholie verströmt deshalb auch der Auftritt von Zélia Fonseca im Club des „domicil“. Aber die Brasilianerin mit der Gitarre um den Hals versprüht auch viel Lebensfreude.
Ihre Musik entspricht dabei so gar nicht irgendwelchen Brasil-Klischees. Unterschiedlichste Rhythmen mischt sie in ihre selbstgeschriebenen Songs, die auch durch die klangliche Mixtur der Arrangements bestechen.   

Rosana Levental auf dem Elektro-Cello und die unglaublich fantasievoll trommelnde Angela Frontera färben die Musik sehr individuell. Im Verbund mit der warmen Stimme und dem oft kraftvoll-perkussiven Gitarrenspiel von Zélia Fonseca entstehen Songs voller Strahlkraft. Ein jeder ein Ohrenschmaus.
Am Ende wird die Stimmung richtig überschwänglich. Angela Frontera zeigt eindrucksvoll, wie man eine treibende Samba trommelt und das Publikum fungiert nur zu gerne als Backgroundchor zu Zélia Fonsecas Gesang. So eine Ausgelassenheit hätte Rosanna Tavares sicher gefallen.

Text & Fotos: cg