"Hello Earth" | Theo Bleckmann im domicil

Dortmund, 29.10.2011 | Viele Jahre hatte er ihre Musik nicht mehr gehört. Doch als Theo Bleckmann seine alten Scheiben von Kate Bush wieder herauskramte, stellte er fest, dass er ihre Stücke jetzt sogar noch spannender findet als früher. Die Idee war geboren mit „Hello Earth! The Music Of Kate Bush“ sich der außergewöhnlichen britischen Songschreiberin und Sängerin auf ganz eigene Weise zu nähern.

Und das tut Theo Bleckmann im Rahmen der 18. Jazztage Dortmund im „domicil“, in dem er die Stücke von Kate Bush ausdünnt, auf das Wesentliche reduziert, um dann zu sehen, wie er sie mit eigenen Ideen auffüllen kann. Popsongs werden hier bis auf eine Ausnahme nicht zu Jazznummern; die Originale werden mehr behutsam in neue Klangwelten geführt.

So wird aus „All The Love“ vom 1982er Album „The Dreaming“ ein sehr ergreifender, schleppend langsamer Song, dessen Lyrics sich beim Hören einbrennen, während die instrumentalen Klänge bisweilen leicht mystisch durch den Saal zu schweben scheinen.

Auch Kate Bushs Hit „Running Up That Hill“ aus dem Jahre 1985 erfährt zunächst eine interessante Entschleunigung. Theo Bleckmann lässt nicht nur bei diesem Song seine Stimme durch Filter und Sampler laufen und in Echos baden.

Bleckmann setzt diese elektronischen Hilfen aber nie als bloßen Effekt, sondern immer songdienlich und zum Kreieren von Atmosphäre ein. Dabei hilft dem schon lange in New York lebenden, in Dortmund geborenen Sänger ein exzellentes Quartett mit Tastenmann Erik Deutsch, Drummer Ben Wittmann, Bassist Skúli Sverisson sowie Geiger und Gitarrist Caleb Burhans.

Stück für Stück sezieren Bleckmann und seine Band  die Musik von Kate Bush und setzen sie für sich neu zusammen. Am humorvollsten geschieht das beim Antikriegslied „Army Dreamers“, am radikalsten bei „Violin“. Dieses schon im Original rockige Stück Musik kommt hier mit wild verzerrtem Gesang als krachende Metalnummer um die Ecke.

Herrlich - und nur ein weiteres Beispiel für Theo Bleckmanns großartige Kunst der Bearbeitung an diesem Abend.

Text & Fotos: cg

Alle weiteren Termine und Infos zu den 18. Jazztagen Dortmund unter www.domicil-dortmund.de