Wohlig schwingende Jazzstandards | George Michael

Köln, 8.9.2011 | Musik mit Orchesterbegleitung – das hat George Michael schon auf seinen „Songs From the Last Century“ im Jahre 1999 auf Tonträger eingespielt. Jetzt also die Live-Umsetzung, auch mit einem Großteil des Repertoires der Platte.

11.000 Fans sind in die komplett bestuhlte Lanxess-Arena gekommen, der dunkelrote Vorhang öffnet sich um kurz nach acht und George Michael, elegant im Anzug und mit Sonnenbrille, die er den ganzen Abend nur einmal kurz abnimmt, schreitet langsam nach vorne an den Bühnenrand.

Langsam – das ist das Motto des Abends. Langsam entwickeln sich die bizarren Bildchoreografien auf einer Riesenleinwand, in der immer wieder auch der Protagonist eingeblendet wird, damit ihn auch die hinten in der Halle gut sehen können. Langsam und bedächtig spielt das nie richtig geforderte „Symphonica“-Orchester auf und ebenso langsam singt George Michael dazu.

Wer ein Feuerwerk an alten Hits erwartet hat, muss lange warten. Bis zum Zugabenblock. Da gibt es dann immerhin mit „I´m Your Man“ und „Freedom“ zwei Songs aus alten „Wham!“-Zeiten in den 1980ern zu hören. Aber auch hier beweist George Michael seine Eigenwilligkeit an diesem Abend. Diese Riesenhits serviert der Engländer nämlich in einer akustischen Version nur mit Konzertgitarren, Kontrabass, ein wenig Perkussion und Call & Response-Gesängen mit seinem Backgroundchor.

Die mehr als zwei Stunden zuvor hockt George Michael gemütlich auf einem Barhocker und lullt das Publikum mit sanften Balladen ein. Oder er lässt den Barhocker wegbringen und unterhält nett im Stehen mit wohlig schwingenden Versionen alter Jazzstandards. Und mit Bing Crosbys „Brother, Can You Spare a Dime“, einer Hommage an Amy Winehouse, dem durch den Einsatz eines Vocoders mit verfremdeter Stimme gesungenen New Order-Cover „True Faith“ oder einer ziemlich entspannten Version des Police-Klassikers „Roxanne“.

Wahre Kuschelmusik ist das durchgehend. Toll für verliebte Pärchen. Aber in ihrer Geballtheit auch ein wenig eintönig. Das während des ganzen Konzertes ziemlich euphorisch reagierende Publikum jedoch findet soviel Wohlfühlatmosphäre an diesem regnerischen Kölner Abend sichtlich schön.

Text: cg

Weiterer Termin:
09.11.: Oberhausen, KöPi-Arena