Klangvoll wie selten zuvor | Funchal Jazzfestival 2011

Funchal, 11.7.2011 | Die heimischen Zeitungen beschäftigt zur Festivalzeit vor allem ein Thema: die Einschätzung Portugals seitens von Moody´s. „Lixo“, also Müll, hatte die Ratingagentur das Land betitelt. Das schmerzt natürlich den stolzen Portugiesen. Und natürlich auch alle Bewohner von Madeira, der zu Portugal gehörenden Atlantikinsel. In deren Hauptstadt Funchal fand zum bereits zwölften Mal das „Funchal Jazz Festival“ statt. Und vielleicht auch ein wenig aus Trotz gegenüber der Wirtschaftskrise, die Portugal voll erwischt hat – das Programm des von der Stadtverwaltung von Funchal organisierten Festivals war klangvoll wie selten zuvor. Der Besuch an den drei Tagen übertraf alle bisherigen Festivalausgaben: An die 9.000 Menschen strömten zu den open air-Konzerten im Parque de Santa Catarina, im Zentrum von Funchal, der mit seiner abschüssigen Rasenfläche wie ein natürliches Amphitheater wirkt.

Ganz viele waren am Freitagabend gekommen, um eine echte Musiklegende Portugals zu hören: Rui Veloso, den Vater des portugiesischen Rock. Auf der Bühne geehrt für 30 Jahre Musikkarriere, wurde Veloso aber erst mal wieder verabschiedet, um Platz zu machen für den britischen Bluessänger und Gitarristen Todd Sharpville und dessen Band, die trotz viel Schwung irgendwie nicht sonderlich mit ihrem rockigen Blues den Klischees dieser Stilrichtung entfliehen konnten. Rui Veloso dann erst gegen halb eins in der Nacht zu Sharpville auf die Bühne zu holen, um ihn dann über die Rolle des Gitarre spielenden Sideman kaum hinauskommen zu lassen – das war dem Portugiesen nicht würdig.

Das sollte aber der einzige Kritikpunkt des Festivals bleiben. Dass John Scofield mit seinem Quartett mit Mulgrew Miller, Scott Colley und Bill Stewart ein ziemlich vorhersehbares Programm herunterspulte – Schwamm drüber. Denn direkt danach verzauberte Danilo Pérez. Der panamesische Pianist und seine beiden fantastischen Mitstreiter Ben Street (Bass) und Adam Cruz (Schlagzeug) brillierten mit ihrem so schlüssigen Mix aus Jazz, lateinamerikanischer Folkmusik und klassisch inspirierten Momenten. Ein Trio wie aus einem Guss, eine Musik voller spannender Wendungen, mit bisweilen explodierender Energie. Die hatte auch das Branford Marsalis Quartet in Person des jungen Drummers Justin Faulkner zu bieten. Der Bursche aus Philadelphia stach aus einem erstaunlich aggressiven Quartett heraus. Faulkner trommelte sehr variabel und nutzte dabei meist das komplette Drumset, setzte zudem mit Vorliebe auf die Becken. Es zischte, es knallte und war dabei höchst erfrischend. So wie an diesem Abend das ganze Marsalis-Quartett nach ein paar ebenfalls inspirierten Duo-Nummern von Branford mit Pianist Joey Calderazzo zu Beginn ein insgesamt aufregendes Set ablieferte.

Da konnten selbst Cassandra Wilson und ihre  Band nicht ganz mithalten, die das „Funchal Jazz Festival“mit ihrem natürlich dennoch sehr guten Auftritt am dritten Abend beschlossen. Und dabei Lust weckten, im nächsten Jahr wiederzukommen. Auf eine Insel, die neben ihrer vielfältigen Schönheit auch noch ein richtig gutes Jazzfestival im Angebot hat.

Text & Fotos: cg 

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