Nomen est Omen | 19. Düsseldorfer Jazzrally

Düsseldorf, 14.6.2011 | 500 Musiker aus über 30 Ländern zelebrierten gemeinsam die 19. Düsseldorfer Jazz Rally vor 300000 Besuchern. Dabei kommt das größte deutsche Jazz-Festival vor den Toren des Ruhrgebiets nach wie vor ohne jegliche öffentliche Subventionen aus.

Mit 87 Konzerten auf 36 Bühnen war auch in diesem Jahr für jeden etwas dabei. Ob bei einem Essen im Tante Anna bei feinem Barjazz oder NU Jazz mit State of Monk im Stone, Dixi oder die feinen Mitternachtskonzerte im Kommödchen mit Tierra Negra oder den Jazz-Pistols [siehe Extrabeitrag].

Nomen est omen, denn eine solche Veranstaltung zu organisieren ist nicht nur für die Veranstalter eine Mammutaufgabe, auch für die Besucher ist es eine besondere Herausforderung die passenden Veranstaltungen zu entdecken und miteinander zu vernetzen. Hinzu kam in diesem Jahr, dass das Wetter nicht immer mitspielte, sodass die Zuschauer, die wie bei einer Rally von einem Konzert zum anderen den Veranstaltungsort in der Düsseldorfer Altstadt wechselten, ab und zu vom Regen überrascht wurden.

Neben dem Konzert der Jazz Pistols waren sicherlich weitere Höhepunkte der Düsseldorfer JazzRally Mezzoforte und das Treffen der ehemaligen Passport-Recken. Während Mezzoforte, unter anderem verstärkt durch Sebastian Studnitzky mit ihrem Funk-Fusion-Jazz das Zelt auf dem Burgplatz rockte, verzückte Klaus Doldinger's Passport mit Wolfgang Schmid (Bass), Christian Schulze (Keyboards) und Curt Cress (Drums) das Publikum mit Stücken aus der Zeit von 1971-1974 in einer Frische und mit einer Spiellaune, dass dagegen die im Anschluss aufspielende aktuelle Doldinger-Formation nur wie ein müder Abklatsch wirkte.

Im Henkel-Saal im Schlösser-Quartier gab es am Freitag und Samstag Lounge- und Diskojazz. Während am Freitagabend die Nighthawks eher blass blieben und nur wenig von der sehr eingängigen Musik ihrer CD's abwichen, mischten am Samstagabend die Männer der Jazzkantine den voll besetzten Saal ordentlich auf. Abrupt abgebrochen wurde das Konzert dann jedoch kurz vor Schluss durch einen Feueralarm, der der Jazzkantine den Saft auf der Bühne abdrehte. Feuer gab es keins und so spielten der Schlagzeuger und die beiden Bläser das letzte Stück in Ruhe, ohne jegliche Verstärker zu Ende.

Neben dem ausgezeichneten, vielseitigen Angebot, das nur hoch zu loben ist, bleibt jedoch, dass der Spielort für eine derartige wunderbare Veranstaltung, die Düsseldorfer Altstadt, auf den Jazzfreund nicht unbedingt einladend wirkt. Denn hatte man gerade ein wunderbares hochklassiges Konzert verlassen, wurde man bereits am Ausgang mit dem volltrunkenden, grölenden Mop, der auch während der Jazzrally an der größten Theke der Welt randalierend durch die Straßen zog, all zu schnell in die Wirklichkeit unserer Gesellschaft zurück katapultiert. Leider auch ein Eindruck, der neben all der herausragenden Musik von diesem Festival in Erinnerung bleibt.

Text & Fotos: bz