Eine großartige Vermittlerin | Patti Austin in der Lichtburg

Essen, 18.5.2011 | Ein Konzert ist ein Konzert und kann doch auch mehr sein. Bei Patti Austin war es am Montagabend in der altehrwürdigen Essener Lichtburg mehr, nämlich eine einfühlsame Reise in die Emotionen von Jazzliedern und einer ihrer größten Interpretinnen, Ella Fitzgerald.

Wenn Patti Austin so von Ella erzählt, etwa vom Liebespech oder davon, dass die große Fitzgerald in ihrer Jugend mal zwei Jahre lang mehr oder weniger auf der Straße lebte und sich ihr Glück bei Kinobesuchen holte, dann untermalt sie das mit den jeweils passenden Liedern.

Den Gershwin-Musicalsong „But Not For Me“ singt Patti Austin so berührend, betont sie jedes einzelne Wort mit soviel Ausdruck, dass man als Zuhörer gar nicht anders kann als mitzufühlen mit einer Frau, bei der in der Liebe oft nicht die Sonne schien.

Patti Austin, die dem Produzenten Quincy Jones schon im Alter von vier Jahren bei einer Plattenaufnahme ihrer Patentante Dinah Washington auffiel, und die ihren Grammy schon im Schrank stehen hat, entpuppt sich an diesem Abend im Rahmen des Klavierfestivals Ruhr als großartige Vermittlerin. Von Gefühlen und vielen kleinen, auch ganz persönlichen Geschichten. Oft erzählt sie die mit einem Augenzwinkern, immer aber mit sympathischer und entwaffnender Offenheit.

Pianist Olaf Polziehn, Bassist Christian von Kaphengst und Schlagzeuger Peter Lübke setzen die durchweg interessanten Arrangements der bekannten Songs aus Ellas Repertoire glänzend und elegant um. Mehr aber nicht, denn im Fokus steht den ganzen Abend lang nur Patti Austin.

Wie sie Cole Porters „Miss Otis Regrets“ als Gospel verwandelt, sich in Gershwins „The Man I Love“ mit entblößter Seele reinkniet, wie sie lässig zu swingen versteht und am Schluss spritzig scattet und einen kleinen Abstecher in die Soulmusik macht, hinterlässt die 60-Jährige einen fantastischen Eindruck. An einem kühlen, regnerischen Abend, den die Amerikanerin mit Herz und großer Stimme kräftig erwärmt.

Text & Fotos: cg