Nicht ohne Stolz | Jahresrückblick ruhrjazz.net 2010

Gelsenkrichen, 22.12.2010 | Das erste Kalenderjahr von ruhrjazz.net neigt sich dem Ende zu und damit auch bei uns das Bedürfnis einmal zurück zu schauen. Schon oder erst 8 Monate sind seit dem Start ins Land gegangen und dennoch ist mehr passiert, als wir zu hoffen wagten.

Nicht ohne Stolz können wir schreiben, dass wir in den 8 Monaten 120 reviews und 100 news verfasst haben und ca. 700 Konzerte in unserem Jazzkalender ankündigen durften. Mittlerweile findet man auf ruhrjazz.net 100 Jazzmusiker aus dem Ruhrgebiet, 120 Links zum Jazz in der Region, Deutschland und der Welt, 11 Locations mit regelmäßig stattfindenen Sessions (an 33 Tagen im Monat?) und so nebenbei haben wir auf 13 Auslandslandsreisen über Jazz in anderen Teilen Europas und sogar Kanada berichtet.

Oft wurden wir gefragt, was wir denn für unsere viele Arbeit bekommen würden? Eine gute Frage, die wir immer gerne beantworten - ja sogar erwarten. Aber zunächst soll noch einmal kurz deutlich gemacht werden, dass ruhrjazz.net keine öffentlich geförderte Website ist und auch nichts mit der Kulturhauptstadt ruhr2010 zu tun hat und hatte, obwohl ruhrjazz.net sicherlich zu 100% das Credo der Kulturhauptstadt trifft. Es ist also reiner Zufall, dass diese Seite nun seit Mai 2010 erstmalig den Jazz im Ruhrgebiet und Umgebung vernetzt und in gewisser Weise in seiner Vielfalt damit auch dokumentiert.

Aber nun zurück zu unserer Lieblingsfrage. Wir wären nicht ehrlich, wenn wir bestreiten würden, für unsere Arbeit nicht auch gerne eine monetäre Entschädigung zu bekommen und schon ein wenig enttäuscht sind, dass wir auf Seiten der Werbenden immer noch wenig Beachtung finden, aber ehrlich gesagt, dass was wir bisher durch unsere Arbeit bekommen haben ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Vor allem sind wir glücklich und zufrieden, dass es so viele Jazzfreunde im Ruhrgebiet und Umgebung, in Deutschland und der Welt gibt, die unsere Arbeit durch ihre regelmäßigen Besuche (seit Mai ca. 70.000), Verlinkungen und positiven Mails goutieren. Wir freuen uns über die vielen Anfragen von Künstlern, die unsere Fotos mögen und sie für ihre Pressemappen oder Internetseiten verwenden möchten, über die reviews die auch bei namhaften Künstlern Aufmerksamkeit erregen und Verwendung finden, den vielen Mails mit Veranstaltungshinweisen für unsere Kalender und news und den uns immer wieder motivierenden Mails von Leserinnen und Lesern, die sich für unsere Arbeit bedanken und sich wünschen, dass wir noch lange durchhalten mögen.

Als große Bereicherung für unsere Arbeit sehen wir auch die entstandenen und sich anbahnenden Kooperationen sowohl mit kleinen, regionalen Initiativen als auch etablierten Institutionen an. Hier erkennen wir vielversprechende Ansätze der Vernetzung und damit eine nicht nur proklamierte, sondern authentische Nachhaltigkeit unserer Arbeit. Aber damit immer noch nicht genug, denn da sind auch noch die vielen Kontakte zu den Menschen der Szene. Seien es diejenigen aus dem Publikum, die uns mittlerweile erkennen und uns auf unsere Arbeit ansprechen, seien es die vielen Musiker, die wir durch unsere Arbeit näher kennen lernen dürfen oder die, die aus Liebe zum Jazz mindestens so viel Zeit investieren wie die ruhrjazz.net-Redakteure, um den vielen brillanten internationalen aber vor allem regionalen Jazzmusikern die Möglichkeiten verschaffen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und nicht zu vergessen, die vielen wunderbaren Konzerte, die wir miterleben durften und über die wir, weil meistens von der regionalen und überregionalen Presse unbeachtet exclusiv auf ruhrjazz.net berichtet haben.

Wenn wir zurückschauen und uns fragen, welche Konzerte uns aus 2010 in Erinnnerung geblieben sind, könnten wir sicherlich so viele aufzählen, dass dies hier den Rahmen sprengen würde. Aber besonders gern erinnern wir uns an die Konzerte, die in einem besonderen Rahmen stattgefunden haben. Das Konzert von Barbara Dennerlein im Gasometer Oberhausen zum Beispiel oder das von Anouar Brahem in der Gebläsehalle in Duisburg. Besonders waren auch immer die Konzerte in der Kellerbar des Consoltheaters in Gelsenkirchen oder das kleine 10vorne-Konzert im Atelier des Künstlers Wolfgang Liesen in Essen-Kettwig. Hier standen Raum, Ort und Musik immer in einem besonderen Verhältnis.

Aber unsere Arbeit ist auch nicht immer ein Vergnügen. Wenn die Leser unserer Seite wüssten, unter welch widrigen Bedingungen zum Beispiel unsere Fotos entstehen. Da erlauben uns Konzertveranstalter gerade mal 5 Minuten zu fotografieren, aber dabei bitte nicht den Platz zu verlassen. Oder es stehen allenthalben gewaltige Notenständer auf der Bühne oder das Publikum fühlt sich von den Fotografen belästigt. Aber wenn wir dann unter solchen Bedingungen noch besonders gute Fotos zustande bringen, dann sind wir nicht ohne recht stolz.

Zum Schluß wollten wir eigentlich auch kurz auf das Jazzprogramm der Kulturhauptstadt 2010 eingehen, dass vom jazzwerkruhr geplant, gestaltet und durchgeführt worden ist. Weit über 50 Veranstaltungen hatte das jazzwerkruhr in diesem Rahmen angekündigt und gerne wären wir in unserem Jahresrückblick auch hierauf eingegangen. Leider haben wir vom jazzwerkruhr trotz mehrfacher Nachfrage bis jetzt keine Rückmeldung über die Fakten und ein erbetenes Resumée aus Sicht des Veranstalters bekommen. Wir bleiben aber dran und hoffen im nächsten Jahr in einem speziellen Bericht hierauf noch einmal einzugehen.

2011 wird ein Jahr, dass sicherlich, gerade für die Jazzszene im Ruhrgebiet, nicht einfach wird. Fast alle Veranstalter, bis hin zu den großen Festivals, berichten von erheblichen finanziellen Kürzungen. Wir sind uns aber sicher, dass es gerade der Jazzszene, die ja in weiten Teilen eine freie Szene ist, trotz der schlechten Bedingungen gelingen wird, mit viel Enthusiasmus und Engagement aller Beteiligten den Jazz im Ruhrgebiet weiter in seiner ganzen Vielfalt leben zu lassen. Wir sind auf jeden Fall dabei und werden auch 2011 den Überblick über die Jazzszene schaffen, berichten und natürlich weiter an der dringend notwendigen Vernetzung arbeiten.

Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern ein friedliches Weihnachtsfest und ein jazziges 2011!

Euer ruhrjazz.net-Team

Text: bz | Fotos: cg, bz, sb