Ein kunterbunter Abend mit Thomas Quasthoff

Essen, 19.12.2010 | Der kleinste auf der Bühne hat sichtlich den größten Spaß. Thomas Quasthoff lacht herzhaft, flitzt auch mal zum Bühneneingang, um einen seiner zahlreichen Gäste an diesem Abend abzuholen. Er erzählt dem Moderator Götz Alsmann ganz frei, was er denkt. Auch, dass er in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse möchte. "Anstatt in Jugendbanden sollen junge Leute in Konzerte gehen können!"

Zum Abschluss des Kulturhauptstadtjahres noch mal ein klares Statement in Richtung Politik. Deutschlands populärer Bassbariton denkt eben über den Tellerrand hinaus - auch in seiner Musik. Das zeigte eindrucksvoll seine vierstündige Gala in der ausverkauften Philharmonie, in der aufgrund des Winterwetters aber etliche Plätze frei blieben.

Dass er sich selbst dabei alles andere als wichtig nimmt, betont Quasthoff an diesem Abend mehrmals - und glänzt beim Konzertauftakt mit Abwesenheit. Denn da spielt das von Andrea Marcon vorzüglich geleitete Mahler Chamber Orchestra Mozarts Sinfonie Nr. 34 C-Dur ganz feinsinnig ohne den Protagonisten des Abends.

Überhaupt war der erste Konzertteil der Klassik und dem Lied gewidmet. Eindringlich der "Erlkönig". Mit dem Tenor Michael Schade, der zuvor in Don Ottavios Arie "Dalla sua pace" aus Don Giovanni brillierte, interpretiert Quasthoff dann zauberhaft Schumann-Stücke für zwei Singstimmen und Klavier, begleitet von seinem Langzeit-Pianisten Justus Zeyen.

Quasthoff kann es im Duo einfach. Mit Max Raabe in altem deutschen Liedgut – und auch mit der improvisierenden Sängerin Maria João und Pianist Mario Laginha. Mit den beiden Portugiesen wird aus dem weltberühmten "Girl from Ipanema" ein zweisprachiges Musikabenteuer, bei dem mit offenem Visier probiert und im Moment gestaltet wird.

Zum Schluss dann großorchestrale Wucht. Das Mahler Chamber Orchestra und die WDR Big Band, beide nun unter der Leitung von Michael Abene, der auch die fantastischen Arrangements beisteuerte, liefern den Unterbau für Jazz, Blues und Soul. Auch aus dem neuen Album "Tell it like it is", für das Thomas Quasthoff von Götz Alsmann im Verlaufe des Abends den German Jazz Award verliehen bekam. Und bluesig röhren und soul-jazzig schmettern, auch das kann dieser Thomas Quasthoff. Und Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die in ihrem klassischen Teil nicht so überzeugt hatte, machte dafür als lässig-gefühlvolle Jazzsängerin eine erstaunlich gute Figur.

Ein gelungenes Finale eines kunterbunten Abends, der Thomas Quasthoff als unermüdlich neugierigen Tausendsassa eindrucksvoll dann doch ins Licht rückte.

Text: cg; Fotos: Sven Lorenz, Philharmonie Essen