Immer mal kurz fauchen | Jon Lord in der Philharmonie

Essen, 15.11.2010 | 35 Jahre ist es her, aber Jon Lord kann den Namen der Stadt noch relativ unfallfrei aussprechen: Oer-Erkenschwick. Dort habe er 1975, mit der Philharmonia Hungarica und unter der Leitung von Eberhard Schoner, "Sarabande" eingespielt, erzählt der Brite dem zahlreichen Publikum in der Essener Philharmonie. "Und heute Abend ist es erst das dritte Mal überhaupt, dass das komplette Werk live aufgeführt wird."

Die Partner am Montagabend: das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung von Florian Ludwig und die "Dead Composers Rocking Society", die als Rockband den Brückenschlag zum klassischen Orchester vollbringen sollen.

Für Jon Lord, den ehemaligen Keyboarder der Rock-Ikonen Deep Purple, ist das Zusammenbringen von Rockmusik und Klassik bereits lange Teil seines kompositorischen Schaffens. Schon 1969 verblüffte er zusammen mit Deep Purple und den Royal Philharmonikern und dem "Concerto For Group and Orchestra". "Sarabande" verzichtet dagegen auf Gesang, nicht aber auf die gute Hammond B3-Orgel, die Jon Lord in Essen zwischendurch immer mal kurz fauchen lässt.

Angelehnt an die musikalische Form der Suite der Barockmusik gelingt es in "Sarabande" vorzüglich, den wuchtigen Klangkörper des Hagener Orchesters mit den rockigen Zitaten der Band zu verknüpfen. Stimmungsvoll und von starken Melodien getragen werden Klassik und Rock schlüssig zusammengeführt. Der Deep Purple-Fan kommt eher in der zweiten Hälfte des Essener Auftritts auf seine Kosten. Jetzt bittet Jon Lord die langjährige Stimme der Band Rainbow auf die Bühne. Und Doogie White erweist sich als überzeugende Rockröhre, der Purple-Titel wie "Lazy", "Soldier Of Fortune" oder "Pictures Of Home" kraftvoll intoniert und nur am Schluss bei dem sicher nicht einfach zu singenden "Child In Time" stimmlich an seine Grenzen gerät.

Dass die seichten, an Musicalnummern erinnernden Stücke mit der Sängerin Tanja Schun eher blass bleiben – Schwamm drüber. Jon Lord holt sich nach fast drei Stunden Musik verdientermaßen einen nicht enden wollenden, tosenden Beifall vom Publikum ab.

Text & Fotos: cg