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Leverkusen, 13.11.2010 | Regen, Unwetter und Aquaplaning bei der Anfahrt nach Leverkusen. Ein geeigneter Tag für Jazz. Abtauchen in die Leverkusener Jazztage. Zuerst tritt das polnische Qunitett um den Pianisten Piotr Wylezoł auf. Nachdem der Pianist sein eigenes Trio angeführt hatte (mit Krzysztof Dziedzic am Schlagzeug und Adam Kowalewski am Bass wurde die Truppe um den Saxophonisten Adam Pierończyk und den Gitarristen David Doruzka zum Quintett erweitert. Im wesentlichen werden eigen kreierte Stücke des Pianisten gespielt, gleichzeitig sind auch Songs von Doruzka und Pierończyk zu hören. Ein stimmungs- und kraftvoller Einstieg in den Abend. Herausragende Performance am Saxophon, brilliante Soli an Piano und Schlagzeug. Jazz aus Polen.

Wirklich macht es Lust auf mehr. 3 Peas aus Berlin sind die nächsten Giganten auf der Bühne. Vorjahressieger des futuresounds award 2009 starten ihr Programm. Sie lösen einen Ihrer Gewinne ein. Spielen auf der Hauptbühne. Es sind Erica Rendall - piano, Kalle Enkelmann – bass und Julius Heise – drums. Zuerst von Erica Rendall komponiert und ihrem Bruder gewidmet das Stück Open Window. Gefolgt von einem anderen Lied, welches Erica´s Mutter gewidmet ist. Zum Abschluss noch ein von Schlagzeuger Julius Heise geschriebenes Werk. Ausdrucksstark, genial zusammen ist dies eine kompakte, saubere Darbietung. Mal leidenschaftlich, mal sachlich kühl präzise.

Danach folgte das Aziza Mustafa Zadeh Trio. Aziza Mustafa Zadeh, schon der Name ist wie Musik. Und wie bei kaum einer anderen Künstlerin verspürt man bei ihr, dass sie die personifizierte Musikalität ist. Wenn Aziza Mustafa Zadeh am Klavier sitzt, explodiert die aserbaidschanische Schönheit förmlich, wie man es der zarten Person niemals zutrauen würde. Sie liebt und lebt ihre Musik. Ihre virtuose Technik am Klavier wie auch ihre perfekt ausgebildete Stimme setzen ihr keine Grenzen, sie erlauben der Künstlerin eine musikalische Welt- und Zeitreise ohnegleichen. Kaum eine Gattung, die bei ihr nicht aufblitzt, der musikalische Zitatenschatz scheint unerschöpflich. Trotz dieser Stärke und sensiblen Inbrunst drängt Sie sich nicht ins Rampenlicht. Bescheiden steht sie zufrieden auf einer Ebene mit ihren musikalischen Partnern Simon Zimbardo (drums) und Ralf Cetto am Bass. Ein Mosaik des Orients, des rockigen Jazz und wieder hin zu nicht definierbaren musikalischen Einflüssen.

Den Abschluss der diesjährigen Leverkusener Jazztage machte die Victor Bailey Group mit Victor Bailey (Bass, Vocals), Casey Benjamin (Saxophon, Synthi, Vocals), Poogie Bell (drums) und Peter Horvarth (keyboards). Und die Vier gaben dann zu guter Letzt noch einmal richtig Gas. Vor allem Bell und Horvarth spielten den Fusion Jazz derart engagiert, dass sich in Teilen ihr Equipment verabschiedete. Bell's Schlagzeug ging auseinander wonach er gestenreich und lautstark seinen Unmut kund gab und bei Horvarth drohte ein Synthi das Weite zu suchen - was nicht an der Musik lag. Welch ein Gegensatz zu den vorherigen Acts. Dann. kurze Hektik auf der Bühne, die von Bailey, Horvath und Bejamin durch eine wunderschöne Ballade des Bee Gees Klassikers "How Deep Is Your Love" beruhigt wurde.

So ging mit einem kurzweiligen und abwechslungreichen Abend wieder einmal eine Session der Leverkusener Jazztage mit der üblichen schlechten Luft, nervenden Essensgerüchen in weiten Teilen des Veranstaltungsortes und erstklassigem Jazz zu Ende. Wir freuen uns auf die 32..

Zum Auftaktbericht der Leverkusener Jazztage [weiter...]

Text & Fotos: sb, bz