Jede Menge Höhepunkte | 31. Leverkusener Jazztage

Leverkusen, 7.11.2010 | Am 5. Dezember 1980 wurde im Warfield Theatre in San Francisco ein Konzert mitgeschnitten, das Legenden-Status erlangte. John McLaughlin, Al Di Meola und Paco de Lucía schufen mit "Friday Night in San Francisco" ein Meisterwerk in Gitarrenmusik. Am Ende eines langen Konzertabends beim Auftakt der 31. Leverkusener Jazztage wehte ein Hauch dieses Dezemberabends durch das "Forum" in der Stadtmitte.

Denn als Paco de Lucía sein Konzert mit seiner Band beendet hatte, das Publikum tobte, kam er zurück und hatte Al Di Meola im Arm, der zuvor mit seinem "World Sinfonia"-Projekt aufgetreten war. Jahrelang hatte Eckhard Meszelinsky versucht, die beiden mal wieder gemeinsam auf eine Bühne zu bringen, denn das so erfolgreiche Gitarren-Trio hat sich ziemlich verstritten.

In Leverkusen aber strahlen der Spanier und der Italo-Amerikaner um die Wette und mit ihrem nur im Duo gespielten Klassiker aus alten gemeinsamen Zeiten, "Mediterranean Sundance", setzten sie einen fantastischen Schlusspunkt unter die Gitarrennacht.

Zuvor hatte Paco de Lucía einmal mehr bewiesen, wie aufregend sein Flamenco sein kann. Sein Ensemble besaß mit Sänger David de Jacoba nicht nur eine wahnsinnig heiser-sinnliche Stimme, auch seine Wechselspiele mit dem zweiten Gitarristen Antonio Sanchez sprudelten vor Einfällen und Esprit. Dazu setzte Antonio Serrano auf der Mundharmonika klanglich im Flamenco nicht so übliche Akzente. Und nicht nur die Frauen im Saal johlten, wenn der unverschämt gut aussehende Tänzer Farruco aufstand und seine Schuhsohlen in einer Rasanz und dennoch perfekten Rhythmik aufs Parkett knallen ließ.

Mezzoforte in der Scala

Auch am zweiten Hauptspielort des Festivals, dem "Scala", ein paar Autominuten vom "Forum" entfernt, traten zum Auftakt mit "Mezzoforte" Legenden auf. Die Isländer sind ein Phänomen, hatten sie doch schon 1983 ihren größten und eigentlich einzigen Hit - die Instrumentalnummer "Garden Party". Aber warum sich das an diesem Abend durch die beiden Deutschen Sebastian Studnitzky (Keyboards, Trompete) und Bruno Müller (Gitarre) verstärkte Quartett so lange gehalten hat, zeigen die Isländer in Leverkusen. "Mezzoforte" ist eine exzellente Live-Band, die eleganten Funk-Jazz zu einem gehaltvollen musikalischen Erlebnis zu gestalten versteht. Humor besitzt die Band obendrein, hat sie ihre nagelneue CD, die sie ausführlich vorstellte, doch ausgerechnet "Volcanic" genannt.

Wo die portugiesische Fado-Queen Mariza schon längst als etabliert gilt und dennoch mit ihren herrlich melancholischen, aber dann auch wieder so fröhlich beschwingten Nummern und ihrer Riesen-Stimme, die sie aus ihrem zierlichen Körper zaubert, das Publikum ruckzuck im Griff hat, ist Carmen Souza von den Kapverden eher ein neuer Stern am Gesangeshimmel. Aber auch Souza verfügt schon über eine Menge Charisma. Und Horace Silvers "Song For My Father" als kreolische Jazznummer – nicht nur dieses Stück steckte voller Raffinessen und eigenen Klangansichten von kapverdischer Musik.

Eckhard Meszelinsky zeigte sich vom großen Publikumszuspruch beim Auftakt sehr zufrieden. Auch der Vorverkauf für die weiteren Abende laufe ähnlich gut wie im Jubiläumsjahr 2010, dem besten seit seiner Zeit als Festivalmacher in Leverkusen. Es warten aber bis zum kommenden Sonntag auch noch einige Höhepunkte auf den Jazzfan. Etwa die "Masters of Electric Guitar" (9.11.) - mit Allan Holdsworth, Steve Lukather & Band oder dem John Scofield Trio; die "Drum World" (11.11.) - mit den Bands der Schlagzeuger Billy Cobham, Manu Katché und Omar Hakim. Oder der Samstagabend mit der Victor Bailey Group und dem Aziza Mustafa Zadeh-Trio.

Text & Fotos: cg

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