Feuer in der Musik | Kenny Garrett im domicil

Dortmund, 13.11.2010 | Wie soll man eine Konzertkritik über Kenny Garrett beginnen? Dem Mann, der zwei Grammys im Schrank stehen hat und letzter renommierter Saxofonist bei Miles Davis war. Mit seiner Spiritualität, die der 50-Jährige Amerikaner gleich in der ersten und wie alle Stücke des Abends langen Nummer im "domicil" unweigerlich verströmt? Mit seinen ekstatischen Linien auf dem Altsaxofon, die sich auf manchmal nur wenigen Akkorden immer weiter steigern können, hin zu einem wahnsinnig hohen Intensitätslevel?

Was immer man über Kenny Garrett so im Hinterkopf hatte vor seinem Auftritt in Dortmund – der Saxofonist und seine junge, famose Band bestätigen all das. Sie schwingen sich auf in spirituelle Höhen eines John Coltrane, sie pushen das Publikum mit einer unglaublichen Energie und Spielfreude.

Organist Johnny Mercier, E-Bassist Kona Khasu und Drummer Nathan Webb sind Garrets neue "Orgelband", wie er sie selbst nennt. Drei noch junge Musiker, die nicht nur Jazz, sondern hörbar auch den Gospel im Blut haben.

Welch eine Freude, diesem Quartett zuzuhören. Eine Viererbande, die sich gegenseitig mit ihrem Spiel anfeuert, die nicht auf Strukturen und stilistische Linien fixiert ist, sondern auf das Feuer in der Musik, auf das Transportieren von Energie und persönlichem Ausdruck.

Zwischendurch spielen die Musiker für ein paar Stücke fast (jazz-)klassisch balladesk auf – aber es sind die treibenden Nummern, mit den knallenden Schlagzeugrhythmen und der wummernden Orgel, die das Publikum ausflippen lassen.

Am Ende von zwei Stunden eines memorablen Nonstop-Konzertes packt ein nimmermüde wirkender Kenny Garrett alle im Saal. Und das, obwohl die Band nach Ärger mit ihrem Flieger und Umbuchen des Fluges von Portugal erst kurz vor Konzertbeginn in Dortmund ankam. Garretts fröhlichen Song "Happy People" dehnt das Quartett zur scheinbaren Endlos-Nummer aus, der Saal summt und singt die so eingängige Hookline begeistert mit - ein wunderbares Verschmelzen von Künstlern und Publikum.

Text & Fotos: cg