Sidsel Endresen und Håkon Kornstad im Jazzkeller Krefeld

Jazzboxen und Geräusching extreme | gesungen & saxophoniert

Krefeld, 14.10.2010 | Ein Jazzkeller. Also wirklich mit Treppe runter und wohliger Atmosphäre. Kaum drinnen, direkt der Gedanke, hierfür ist das Objektiv zu groß. Doch knapp vor der Herrentoilette ist dann der Abstand zur Bühne ausreichend. Nebendran der jüngste Zuhörer, 14 Jahre alt - Respekt.

Mit Sidsel Endresen und Håkon Kornstad aus Norwegen haben sich zwei Ausnahmekünstler gefunden. Endresen versteht sich nicht als Jazz- Sängerin im strengen Sinne. Jazzrock und Fusion, Improvisation und Neue Musik prägen ihre Karriere. Håkon Kornstad gilt als einer der innovativsten und aufregendsten Tenorsaxofonisten Europas. Davon konnten sich die Besucher seines Solo-Konzerts im vorigen Jahr in der ausverkauften Mennonitenkirche bereits überzeugen. Treffender hätte eine Ankündigung nicht geschrieben werden können. Ohne Erwartung dem Schauspiel begegnen, sich einlassen auf die Musik, Geräusche und Laute. Anfangs sind die Blicke suchend, die Minen fragend. Wo ist der dritte Mann mit dem Bass? Und der vierte, dass Schlagzeug? Nein alles ist "homemade" by Håkon Kornstad und seinem Saxophon. An einigen Stellen elektronisch unterstützt. Dennoch bleibt ein Staunen über diese besondere fingerfertige Kreativität. Ein Zischen, klappern und röcheln entfleuchen dem Tenorsaxophon. Hochkonzentriert geht es zur Sache.

Sidsel Endresen: Sie singt norwegisch. Man könnte meinen, dass es sich um Beatbox handelt. Allerdings müsste es fortan Jazzbox heißen. Mitreißend, welche Laute und Geräusche zum Vorschein kommen. Zwischendurch wie fröhlicher Kabelsalat bei der guten Audiokassette. Fast so, als würde sehr schnell das norwegische Pendant zu "Biberacher Bierbrauer brauen beständig braunes Biberacher Bockbier. Böswillige Bachusbrüder behaupten bisweilen, Biberacher Bier berausche bald! Bieder Biertrinker: bevor Beweise besseres bringen, brauen Biberacher Bierbrauer beständig braunes Bockbier!" singen. Und nun das ganze noch einmal rückwärts. Und dann stacato und rückwärts.

Bitteschön. In einem Moment inbrünstiger Hingabe, es wirkt fast wie eine indianischer Zeremonienmelodie, glucksende Laute, geht im Zuschauerraum ein Glas zu Bruch. Sidsel Endresen kann es nicht mehr halten. Sympathisch und passend kommt sie aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Text & Fotos: sb