Bekannt energievoll | 24. Jazzfestival Viersen

Viersen, 25.9.2010 | Was für ein Muntermacher zum Schluss des Abends! Da bewegen sich die Uhrzeiger schon auf eins in der Frühe zu und im Festhallenkeller spielt die Tohuwabohu Marchingband derart frisch und frech auf, dass alle Müdigkeit aus dem Körper blitzschnell verschwindet.

Sechs Mal heißes Blech, zwei Mal druckvoll nach vorne treibendes Schlagwerk - die Kölner Marchingband Tohuwabohu sorgt in dieser Besetzung für einen köstlichen Hörspaß. Ob Nenas "99 Luftballons", Stevie Wonders "Superstition" oder die Queen-Hymne "We are the Champions" – bei dieser bei allem Spaß hochmusikalischen Band werden daraus herrliche Blechblasorgien, mit Tempoverdopplung oder plötzlichem Einschwenken in einen Walzertakt für einige Momente.

Nicht alles war beim diesjährigen, 24. Internationalen Jazzfestival Viersen in der historischen Festhalle so mitreißend. Vor allem der Auftritt von US-Saxofonist Steve Coleman erging sich in Längen und Langeweile. Der Konzeptmusiker, der schon seit Jahrzehnten an seiner eigenen, rhythmisch eigentlich so wunderbar vertrackten Klangsprache arbeitet, kam an den Niederrhein ohne Schlagzeuger und Bassist. Und nur mit Saxofon, Stimme, Trompete, Gitarre und Klavier fehlten dieser komplexen Musik wichtige Bestandteile, um sie aus einer in Viersen gehörten Monotonie und Spannungsarmut herauszuheben.

Bekannt energievoll präsentierte sich dagegen wie immer Klaus Doldinger. Der Altmeister plauderte bestens gelaunt mit dem Publikum und spielte sich mit seiner Band unterhaltsam durch viele Stationen seiner langen Karriere, die mit hörbaren Reisen nach Brasilien und Marokko gespickt ist. Als besonderes Bonbon stieg noch Schauspieler und Sänger Uwe Ochsenknecht am Schluss für ein paar Nummern bei Doldingers Auftritt ein und machte seine Sache als rockige Röhre ganz gut.

Gut, diese Bezeichnung passt seit vielen Jahren auch auf den Drummer Manu Katché, der in Viersen einmal mehr mit seiner Band und seinem so leichtfüßigen und doch markanten Schlagzeugspiel brillierte. Mit dem Trio von Benny Lackner stellte sich ein Shooting Star des Jazzpianos in Viersen vor. Und zeigte mit herrlich hoch gepushten Coverversionen, darunter auch eine fulminante Jimi Hendrix-Nummer, wie zeitgemäßer, gelegentlich am Fender Rhodes elektrifizierter Pianotrio-Jazz klingen kann.

Text & Fotos: cg