Spannend zu hören | "new generation" im domicil

Dortmund, 30.9.2010 | Die Idee: Junge Musiker aus aller Welt für drei Tage zusammenbringen. Das von der Förderinitiative "jazzwerkruhr" und "grubenklang.reloaded", dem Jazzprojekt des "domicil" zur Europäischen Kulturhauptstadt, gemeinsam initiierte RUHR.2010-Projekt "new generation" konnte am ersten von zwei Konzertabenden im Jazzclub "domicil" musikalisch durchaus überzeugen. Und das war ja nicht selbstverständlich. Kannten sich die meisten der elf Beteiligten aus New Orleans, Chicago, Brüssel, Luzern, Berlin, Essen oder Dortmund doch vorher gar nicht.

Sie trafen sich am Mittwoch das erste Mal im "domicil", um unter der Federführung von Georg Graewe gemeinsame Stücke zu entwickeln – aus den Ideen der einzelnen Musiker. So sollte Musik entstehen, die schon die Merkmale des jeweiligen Komponisten tragen, aber ein großes Maß an Freiräumen für Improvisationen bereithalten.

Spannend zu hören, wie sich die elf Künstler auf der Bühne immer wieder in kleinere Formationen aufteilen, um dann verschiedenste Klangwege zu suchen. Ein bluesiges Grundthema vom Essener Saxofonisten Roman Sieweke dient als Sprungbrett für expressive Improvisationen innerhalb des Kollektivs; einer wunderbar getragenen Komposition der vor einigen Jahren vom Ruhrgebiet nach Berlin gezogenen Bratschistin Katrin Mickiewicz fügen die Kollegen individuelle, ins Konzept passende atmosphärische Bausteine hinzu.

Und obwohl ganz unterschiedliche Charaktere auf der Bühne stehen, mit der belgischen Vibrafonistin Els Vandeweyer etwa eine sehr experimentierfreudige Musikerin, die ihr Instrument auch schon mal mit Schlagzeugbesen traktiert, gelingen den erstmals gemeinsam zusammen spielenden Akteuren einige beachtliche Momente.

Der Tenor der Beteiligten war einstimmig: Die Musiker äußerten sich in Gesprächen begeistert über diese Möglichkeit des Austauschs. Und sie hoffen auf Nachhaltigkeit der drei gemeinsamen Tage in Dortmund. Einziger Wermutstropfen: Das Publikum erschien zum ersten der beiden Konzertabende nur sehr spärlich.

Text & Fotos: cg