Zurückhaltende Dominanz | Billy Cobham im domicil

Dortmund, 12.9.2010 | Er gehörte noch nie zu denen, die im Hintergrund der Bühne während eines Konzerts nur seine Arbeit verrichten. Gestern Abend begeisterte Billy Cobham die Zuschauer im reich gefüllten domicil jedoch vor allem mit seinen tatkräftigen Mitstreitern.

Für seine palindrome-Tour hat Cobham zwar hierzulande weniger bekannte aber dennoch exzellente Musiker auf die Bühne gestellt. Und der Meister hielt sich, sicherlich nicht immer zur Freude der Drumfans, über weite Strecken des Konzerts mit seinem Schlagzeug spürbar zurück und überließ seinen Mitarbeitern das Feld. Vor allem Camelia Ben Naceur (Keyboards), Fifi Chayeb (Bass) und Junior Gill (steel pan) brillierten mit eindrucksvollen Soli. Dennoch war Cobham bei den zum Teil sinfonisch anmutenden Stücken immer präsent und trieb, selten mit sichtbar großem Aufwand, die Truppe mit seinen präzisen und stark konturierenden Schlägen nach vorn.

Aber natürlich blieb es nicht nur bei der zurückhaltenden Dominanz. Kurz vor dem Ende des Konzert lieferte Cobham das von allen Zuhörern sehnlichst erwartete Drumsolo ab. Aber auch in diesem Genre kennt man von ihm Beeindruckenderes, vor allem was die Showeffekte angeht. Gestern stand weniger Geschwindigkeit, das Spiel mit vier Sticks oder ein Beckengewitter im Vordergrund. Cobham beeindruckte eher den versierten Schlagzeuger mit Technik und Komplexität statt mit Protzerfills.

An Kompositionen war gestern Altes und Neues zu hören, wobei Altes und Neues kaum voneinander zu unterscheiden war. Das neue Werk "Palindrome" des aus Panama stammenden und seit Jahren in der Schweiz beheimateten Ausnahmeschlagzeugers knüpft nahtlos an die Musik seiner alten Jazz-Rock-Alben aus den 70iger und 80iger Jahren an. Einen Cobham kann man sich halt immer wieder anhören. Für die jüngere Generation gibt es ja noch seine Drum' n Voice-Projekte.

Text & Fotos: bz