90 Minuten Gänsehaut | Buika beim Altstadtherbst Düsseldorf

Düsseldorf, 29.9.2010 | Sie singt von der Liebe, von dem Schmerz mit ihr, von Lügen, vom letzten Schluck, den man doch noch gemeinsam trinken könnte, bevor man auseinandergeht. Aber Concha Buika könnte auch über einen tropfenden Wasserhahn singen – es wäre schlichtweg aufregend. Beim Düsseldorfer Altstadtherbst sorgte die afro-spanische Sängerin im ausverkauften Theaterzelt am Burgplatz für 90 Minuten Gänsehaut. Kein Wunder bei der Stimme. Rau, kratzig ist sie und verströmt doch viel Wärme und Seele. Wie geschaffen für den Flamenco. Und doch ist Buika mehr als eine gewöhnliche Sängerin dieses Genres. Denn neben Boleros, Rumba oder Latin-Ballade mag Buika auch Jazz und Soul.

Das hört man. Wenn sie zu den pointierten Melodiekürzeln von Pianist Ivan Gonzalez und den quicklebendigen Rhythmen von Fernando Favier auf der Perkussionskiste Cajón beginnt, mit Silben zu improvisieren, um dann mit gepresst-gehauchten Tönen flamenco-typisch weiterzusingen, spürt man die Freiheit, von der Buika erzählt, die man sich in dem einzigen Leben, das man doch nur hat, nehmen sollte. Auch auf einer Konzertbühne. Und das ist es, was an dieser Frau so begeistert neben ihrer unter die Haut gehenden Stimme: Die Selbstverständlichkeit, mit der sie einfach mal was ausprobiert.

Das Programm des Düsseldorfer Abends war mit "El ùltimo trago" überschrieben, genau wie ihre aktuelle CD. Mit dem Repertoire von diesem "letzten Schluck" erweist Buika der 91-Jährigen mexikanischen Sängerin und Legende Chavela Vargas ihre Ehre. Eine große Sängerin ist die 1972 in Palma de Mallorca geborene Concha Buika schon mit nicht einmal der Hälfte an Lebensjahren.

Text & Fotos: cg


CD-Tipp:

Buika "El último trago" (Galileo MC)