Staff Benda Bilili | African Soul in Wattenscheid

Bochum-Wattenscheid, 22.8.2010 | Musik ist eine einfache Brücke, die das Verständnis zwischen den Kontinenten verbessern kann. Seit einigen Jahren sucht „Odyssee - Kulturen der Welt“ mit seinem ausgewählten Konzertangebot diesen Brückenschlag zu vollziehen.

Mit Staff Benda Bilili war am Samstagabend bei herrlichem Wetter eine einzigartige Formation von acht polioversehrten Musikern auf der Freilichtbühne in Bochum-Wattenscheid umsonst und draußen am Start. Die Musiker leben im Centre Ville von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo unter freiem Himmel und bewegen sich auf selbstgebauten Rollstühlen fort.

Der afrikanische Soul von Staff Benda Bilili ist mitreißend, ihre Musik ist tief in der kongolesischen Rumba verwurzelt, atmet kubanische Nonchalance und erinnert dabei an den Buena Vista Social Club. Ihr afrikanisches Klangspektrum paaren sie souverän mit Elementen aus Reggae und Oldschool-R&B.

Ihre Songs dokumentieren die Ereignisse des Alltags aus einer Hauptstadt, in der es mehr als 40 000 Straßenkinder, darunter auch ehemalige Kindersoldaten gibt, die vor Armut und Gewalt in ihren Heimatorten geflohen sind. Unter ihnen bilden die behinderten Menschen, die „Handicapés“, die zweitstärkste Gruppe, die sich gegenseitig und selbstbewusst über ihre „Plateforme“ genannte Selbsthilfeorganisation unterstützen. Vor allem für diese Menschen singen Staff Benda Bilili in ihren beratenden und ermutigenden Liedern.

Von all dem Leid war am Samstag abend nichts zu spüren. Es war eine mitreißende und fröhliche Stimmung. Die knapp 1000 Zuschauer waren schier aus dem Häuschen. Zu den groovigen Rythmen wurde getanzt, geklatscht und mitgesungen. Ein multikulturelles Fest mitten im Ruhrgebiet. Wer diese Formation, die trotz ihrer Behinderungen eine wunderbare Lebensfreude ausstrahlen, erlebt hat, konnte erleben, dass schon nach kurzer Zeit vergessen war, dass dort Musiker mit schwersten Behinderungen auf der Bühne standen. Toll.

Text & Fotos: bz