An den Grenzen der Musik | 10vorne | der elektroakustische Salon

Essen, 30.7.2010 | 10vorne ist der Platz für Begegnungen zwischen Getränken, Künstlern, Publikum, eventuellen Außerirdischen und Anderen - und für Gespräche über die immerwährenden interstellaren Themen Musik, Komposition, Improvisation, Klang, Kunst, Klangkunst und Kunstklänge.

Der Name "10vorne" bezeichnet den beliebten Treffpunkt auf den Modellen der Sternenschiffklasse Enterprise NX 01 (kurz: "Raumschiff Enterprise"), wo sich auf Ebene 10 vorne deren legendäre Freizeitlounge befindet. Die Bezeichnung "Salon" will sagen: es geht bei 10vorne nicht nur um die Aufführungen der Musik allein, sondern auch um das informelle Gespräch über Musik, ihre Aufführungen, ihren Raum und ihre Zeit und überhaupt ...

So beschreiben Peter Eishold und Frank Niehusmann, beides waschechte Ruhrpottler, ihr Projekt "10vorne". Zu Gast an diesem Abend war Posaunist Paul Hubweber aus Aachen.

Dieses Mal befand sich 10vorne allerdings nicht im Raumschiff Enterprise sondern im Atelier von Wolfgang Liesen in Essen-Kettwig. Liesen, bekannt als "transformer" hatte in sein Atelier geladen und über 40 Neugierige hatten den Weg zu dieser aussergewöhnlichen Veranstaltung gefunden.

Zwischen fertigen und in Bearbeitung befindlichen Kunstwerken und den überall verstreuten Werkzeugen entwarfen die drei, zunächst in Soloparts, Klangbilder die verstörten, belustigten und manchmal auch aurale Schmerzen verursachten. Aber alle hatten sie eines gemeinsam. Sie beamten die Zuhörer in andere Sphären. Dazwischen - ausreichend Pausen, die Gelegenheit gaben über das gerade Erlebte mit den anderen Zuhörern aber auch den Künstlern zu sprechen.

Begonnen hatte Frank Niehusmann. Der entlockte einer Kombination aus elektronischem Schlagzeug und Software, einer Eigenentwicklung, verblüffende, für den Zuhörer nicht nachvollziehbare Klangvariationen (Audiobeispiele hier...). Paul Hubweber zeigte vollen Einsatz und generierte mit seiner Posaune Töne, die die staunenden Zuhörer nie zuvor gehört hatten. Es war einhellige Meinung, dass das selbst über das von Albert Mangelsdorff Bekannte hinausging. Peter Eishold zeigte als Dritter im Bunde nicht nur, was mit einem Schlagzeug so alles möglich ist, sondern ließ zwischenzeitlich auch seine Extraklasse als Schlagzeuger aufblitzen.

In den Pausen wurden Loops eingespielt, die verschiedene elektroakustische Klangkünstler aus ganz Deutschland komponiert haben. Vorgabe war, in Anlehung an das Kulturhauptstadtjahr, dass jeder Loop genau 20,10 Sekunden lang sein sollte. Durch die ständige Wiederholung der Loops wurde so das Atelier in immer wieder neue Klangfarben getaucht.

Wieder einmal war es die Symbiose aus Klangkunst, Kunstklängen und Raum, der eine andere Form höchster Kreativität ausstrahlte, die den Abend zu einem außergewöhnlichen und unvergesslichen Gesamtkunstwerk machte.

Solche Veranstaltungen, die weder in den Medien noch im Programm der Kulturhauptstadt ihre verdiente Beachtungen finden, sind die Inkredenzien, die eine spannende und facettenreiche Kulturszene ausmachen. Ihr Ziel muss nicht die Nachhaltigkeit sein, denn sie sind sie.
Text & Fotos:bz