Spiel mit dem Raum | Barbara Dennerlein im Gasometer

Oberhausen, 27.7.2010 | Der Respekt vor dem gewaltigen Raum mit dem 7-fachen Echo und über der Bühne der größte Mond auf Erden war ihr anzumerken. Sichtlich beeindruckt von der einmaligen Akustik bespielte Barbara Dennerlein vor gut 600 Zuhörern den Gasometer in Oberhausen.

Obwohl sie bereits an Orten wie der Berliner Gedächtniskirche gespielt hat, war der Gasometer gestern für Barbara Dennerlein nach eigener Aussage eine Herausforderung. Dementsprechend begann sie sehr vorsichtig, erkundete den Raum fast ein wenig ängstlich mit dem Klassiker Autumn Leaves. Horchte, wie der Gasometer auf das, was sie ihrer Hammond B3 entlockte, reagierte.

"Hier kann man sich selbst beim Spielen zuhören", bemerkte sie danach sichtlich erstaunt. Und weil sie befürchtete sich mit ihrem sonst so pulsierenden, swingenden und groovenden Spiel selbst zu überholen, ließ sie es zunächst weiter ruhig angehen.

Doch im Laufe der Zeit begannen die beiden sich zu verstehen. Die sonst so quirlige Virtuosin auf der Hammondorgel setzte plötzliche Akzente, legte Pausen ein und ließ den Gasometer antworten. Genial auch, als Barabara Dennerlein die Geräusche eines vorbeifahrenden Güterzugs in ihr Stück integrierte und den Rhythmus der Waggons mit leisen, trockenen, nur einer B3 zu entlockenden Tönen, aufnahm.

Zum Abschluß waren sie dann eins. Mutig und lustvoll streute sie eine kleine Improvisation der Bach'schen Toccata ein und bot dem Raum hier und da immer wieder an sich an ihrem Spiel zu beteiligen.

Mit dem Titel "Bebabaloo" war dann endlich die Dennerlein zu hören, die das Publikum eigentlich erwartet hatte. Und siehe, der Gasometer ließ es zu. Und es hat ihm sichtlich gefallen, denn nachdem Barabara Dennerlein mit ihrem Spiel endete, konnte man ihn die letzten Töne noch weiter summen hören.

Wer gestern Abend im Gasometer Oberhausen war hatte ein einmaliges sinnliches Erlebnis. Ein Konzert in einer einmaligen Kulisse, mit einer sensiblen Künstlerin, die sich spielerisch auf den Raum eingelassen und mit dem Gasometer einen kongenialen Partner hatte, der ihr diese Rücksichtnahme mit einem großartigen akustischen Erlebnis dankte.

Und heute haben wir von Barbara Dennerlein noch eine persönliche Einschätzung über das für sie ungewöhnliche Konzert bekommen. Sie schrieb uns:

"Die spezielle Akustik des Gasometers war wahrlich eine Herausforderung und ich habe ganz bewußt erst einmal mit ruhigeren und langsameren Kompositionen begonnen, mit Klangfarben gespielt, um das Publikum nicht gleich mit einem Klanggewitter zu erschrecken. Die Ohren gewöhnen sich im Laufe eines Konzertes an die Akustik und so konnte ich mir erlauben in der zweiten Hälfte des Konzertes auch etwas gewagtere und energetischere Töne anzuschlagen.

Zudem wollte ich mit dem Echo spielen. Es einbeziehen in meine Musik als Bestandteil der Komposition - ich habe das Gefühl. dass das gut gelang. Dieser Abend muss sicher als "Gesamtkunstwerk" gesehen werden - Töne und Bilder - alles sehr beeindruckend.

Für mich war allerdings der wichtigste Aspekt, dass das Publikum Freude hatte und das kann man definitiv bejahen. Die Atmosphäre war einzigartig und die Stimmung großartig. Ich liebe jeden Einzelnen, der gestern Abend dabei war."

Fotos & Text, bz