Pittoresker Spielort im Hafen | 20. Malta Jazz Festival

Valletta 18.7.2010 | Was vor zwei Jahrzehnten ein Jazz-Enthusiast auf der Insel startete, ist längst eine international renommierte Veranstaltung geworden. Das „Malta Jazz Festival“ feierte im einmal mehr heißen Monat Juli auf der Mittelmeerinsel seinen 20. Geburtstag. Und Charles Gatt, maltesischer Jazzschlagzeuger mit Berklee-Abschluss, der das Festival einst aus der Taufe hob und es 15 Jahre lang leitete, war mit zufrieden wirkendem Gesichtsausdruck als Zuhörer bei der Jubiläumsausgabe dabei - und durfte mit seinem Quartett gar den letzten der drei Festivalabende eröffnen.

    Für Sandro Zerafa, den neuen künstlerischen Leiter des Festivals, der im letzten Jahr erstmals das Programm zusammenstellte, sind Kontraste an einem Abend wichtig. Es sei eben ein wenig schwierig, auf Malta ein Jazzpublikum zu generieren. Malta sei keine Jazzinsel und daher müsse man das Publikum, das in diesem Jahr wieder zahlreich zum pittoresken Spielort im Hafen von Maltas Hauptstadt Valletta pilgerte, mit Vielseitigkeit für den Jazz interessieren. Für Zerafa, den maltesischen Jazzgitarristen mit langjährigem Wohnsitz Paris, kommen die entscheidenden Impulse im aktuellen Jazz noch immer aus der New Yorker Szene. Kein Wunder also, dass das Programm überwiegend US-amerikanische Musiker und Bands bereithielt. 

    Etwa die Mike Stern Band, eine echte Live-Truppe, die die Malteser begeisterte, die aber nicht wirklich Neues zu bieten hatte. Stern und Kollegen wie Randy Brecker spielten ihre Mischung aus Rock, Jazz, Funk und Bop makellos, meist nach vorne preschend, einfach so, wie man ein Publikum damit packen kann. Aber eben auch so, wie man das von dem Gitarrero schon seit Jahren kennt. Das etwas andere Pianotrio The Bad Plus setzte auf Malta ausschließlich auf eigene Stücke. Keine cleveren Cover von Rocksongs wie auf Platte. Dafür Stücke Musik, die aber zu selten in einen richtigen Fluss gleiten dürfen, sondern zu oft zerhackt und zum Stolpern gebracht wurden. Ein Markenzeichen dieser Band geriet an diesem Abend zur etwas nervigen Zurschaustellung.

    Besser machte es da Saxofonist Joshua Redman, der mit seinem Double Trio anrückte. Zwei Mal Kontrabass und zwei Mal Schlagzeug – vor allem gegen Ende des Konzertes, nachdem Redman zuvor meist in wechselnden Triobesetzungen spielte und mit ein paar Bass-Soli zuviel unnötig an Kompaktheit in seinem großartigen Konzept verlor, zeigten die fünf Musiker berauschendes, hochenergetisches Powerplay mit vielen Finessen. Selbst ein an gleich mehreren Stellen nicht optimal funktionierendes Drumset konnte Greg Hutchinson nicht davon abhalten, sich mit seinem trommelnden Kollegen Bill Stewart die rhythmischen Bälle nur so zuzuwerfen und zu kommentieren. Ein echter Festivalhöhepunkt.

    Für den sorgte am letzten Abend auch Richard Bona mit seiner Band. Der kamerunische Bassist weiß, wie man ein Publikum um den Finger wickelt. Am Ende tanzten die Malteser ausgelassen vor der Bühne zu afrokubanischen Klängen und Rhythmen. Dass Charles Gatt den letzten Abend mit einem eigenen Quartett eröffnen durfte, war zum Jubiläum eine sehr schöne Geste. Doch Maltas bekanntester Jazzer konnte musikalisch leider nicht vollends überzeugen. Was auch daran lag, dass das Zusammenspiel innerhalb der Band nicht so zündete. Kein Wunder, den italienischen Bassisten Matteo Bortone etwa hatte Gatt erst am Tag zuvor erstmals getroffen.    

    Sandro Zerafa aber strahlte nach dem Schlussakkord von Richard Bona. Denn sein Festivalprogramm hat wie im letzten Jahr schon funktioniert. Jetzt dauert es wieder 365 Tage, bis Malta wieder zur echten Jazzinsel wird. Aber natürlich lohnt der Besuch nicht nur wegen dem Jazz. Auf Malta gibt es ganzjährig viel Kultur zu erleben und natürlich viel Geschichte zu erfahren. Durch die Gassen der architektonisch so interessanten Hauptstadt Vallettas zu flanieren, sich mit der spannenden Geschichte der Insel zu beschäftigen, die historischen Tempelanlagen, auch auf der Nachbarinsel Gozo, oder die stille Stadt Mdina und das Fischerdorf Marsaxlokk zu besichtigen, wo der Fisch nicht frischer auf dem Teller landen könnte, sind nur einige der Möglichkeiten auf Malta. Und im Sommermonat Juli, zum Jazz, schmeckt besonders das heimische Getränk Kinnie, eine bittersüße, unvergleichliche und sehr erfrischende Orangenlimonade. Bei soviel Liebe zu diesem Getränk gehörte für  ruhrjazz.net ein Besuch der örtlichen Brauerei, die zwar in erster Linie Bier braut, natürlich zum diesjährigen Programmpunkt des Malta-Besuches dazu. Text: cg; Fotos: Klaus Pollkläsener

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