„Cry Me a River“: Michael Bublé in Oberhausen

Oberhausen, 31.5.2010 | Durch den geschlossenen Vorhang schimmern bereits die Silhouetten seiner Band, dann fällt er. Das Publikum, bestens angeheizt durchs Vorprogramm mit den fantastischen Vokalartisten der New Yorker A-cappella-Band „Naturally 7“,  tobt und Michael Bublé geht gleich in die Vollen. Die Bläser intonieren das Intro zu „Cry Me a River“ und Michael Bublé stürzt sich mit großem Sentiment in den so gefühlsschwangeren Klassiker von Arthur Hamilton. 

  Damit ist schon zu Beginn von noch folgenden gut 100 Minuten klar, wohin die musikalische Reise an diesem Abend in der bestuhlten, mit 9.500 Fans ausverkauften König-Pilsener-Arena geht: in die schillernde Welt der Jazzunterhaltung.

  Der Kanadier Michael Bublé ist schon mit 34 Jahren ein Superstar. Neben seiner wirklich guten, charismatischen Stimme, in der Pop, Soul und Swing steckt, zeigt sich aber in Oberhausen auch, was die Menschen sonst noch so an ihm mögen – dass er ganz normal geblieben und im Herzen immer noch der kleine Fischerjunge ist, der noch mit 16 Jahren mit dem Vater monatelang auf einem Lachstrawler schuftete, der aber immer davon träumte, eines Tages Sänger zu sein.

  Das ist er längst und genießt es sichtlich. Genießt, umjubelt zu werden und das machen zu können, was er am meisten liebt. Und er erzählt das alles mit so entwaffnender Offenheit, dass es ihm die vielen weiblichen Fans in der Halle nicht einmal sonderlich übel nehmen, als er stolz seinen Verlobungsring zeigt und von seiner argentinischen Herzdame schwärmt.

  Michael Bublé ist eben ein unwiderstehlicher Charmebolzen, der mit einer geschickten Dramaturgie sein Konzert gestaltet. Zunächst sind es balladeske und mittelschnelle Songs, die den Zuhörer sanft einlullen. Der Jazzstandard „All Of Me“ ist so ein Song. Oder Van Morrisons „Crazy Love“, der Bublés neuem Album und der aktuellen Tour ihren Namen gab.         

  Dann folgt ein wenig Spaß mit Michael Jackson-Imitation in einer Jacksons „Billie Jean“, bevor der Kanadier singend durch das Publikum marschiert zur hinteren Hallenhälfte, wo eine kleine Bühne aufgebaut ist. Die selbst verfasste Ballade „Home“, nur von seinem Gitarristen begleitet, zielt voll auf das Gefühlszentrum der Fans und verfehlt ihre Wirkung nicht.

  Der Rest des Konzertes ist großartiges Entertainment. Seine 13-köpfige Klasse-Band schmeißt die Energiemaschine an und Michael Bublé tänzelt über die Bühne und lässt die Stimmung hoch kochen. Ganz am Schluss, schon im Zugabenblock, legt er dann aber das Mikrofon beiseite und singt in der Riesenhalle für einige Momente ganz intim a cappella. Im „Song For You“, den er natürlich dem Publikum widmet. Das hat er zu diesem Zeitpunkt längst um den Finger gewickelt. Text: cg

  

Weiterer Termin:

14.10.10: Köln, Lanxess Arena


CD-Tipp:

Michael Bublé „Crazy Love“ (Warner)