"Third Round": Manu Katché im domicil

Dortmund, 28.5.2010 | Sein Solo hat sich Manu Katché für den Schluss aufbewahrt. Bei der stürmisch vom begeisterten Publikum geforderten Zugabe im total ausverkauften „domicil“ kommt der Schlagzeuger zunächst alleine auf die Bühne zurück.

  Das sagt viel aus über den französischen Einwanderersohn von der Elfenbeinküste. Manu Katché, der schon mit Peter Gabriel, Sting oder immer noch regelmäßig mit Jan Garbarek arbeitet, sieht sich keineswegs als muskelprotzender, trommelnder Mittelpunkt des Geschehens. Nein, der Franzose mit dem oft so sympathischen Lächeln im Gesicht beim Spielen ist mehr derjenige, der die eigenen Kompositionen beschleunigt oder verzögert, sie variabel akzentuiert und dabei wundervoll schweben lässt.

  Manu Katché ist ein Mannschaftsspieler. Das erwartet er auch von seinen Bandmitgliedern. Und Pianist und Keyboarder Alfio Origlio, Bassist Laurent Vernerey und der norwegische Saxofonist Tore Brunborg sind in Dortmund ein großartig harmonierendes Ensemble. Jeder bekommt seine Freiheiten, eingebunden in den Bandsound, den Manu Katché mit seinen Drumsticks zusammenhält.   

   „Third Round“ heißt Katchés neue, dritte CD auf dem Münchner Kultlabel ECM. So manches Stück des Abends stammt von dieser einmal empfehlenswerten Platte des Schlagzeugers - und gewinnt in der Live-Version im „domicil“ einiges an Dynamik und Kraft.

  Es ist aber eine wohl dosierte Kraft, die vor allem vom so melodiös agierenden Manu Katché ausgeht. Zwischen akustischem und elektrischem Jazz kreierte dieses kongeniale Quartett um den französischen Drummer feinsinnige und expressive Klangwelten, denen das Publikum ewig hätte zuhören wollen. Text & Fotos: cg


CD-Tipp:

Manu Katché „Third Round“ (ECM/Universal)