Nils Wülker Group in der Zeche Carl

Essen, 25.03.2010 | In der reanimierten Zeche Carl in Altenessen gibt es wieder Jazz zu hören. Und was für welchen. Nach einem fantastischen, leider schlecht besuchten, Konzert mit Mathias Eick (wir berichteten) stand diesmal die Nils Wülker Group vor vollen Rängen auf der Bühne.

Druckvoll und sanft kommt die mittlerweile auf ein Sextett angewachsene Formation aus Hamburg daher. Was Jan von Klewitz (Saxofon), Lars Duppler (Fender Rhodes, Moog), Jens Dohle (Schlagzeug), Arne Jansen (Gitarre) und natürlich Nils Wülker - der gebürtige Bonner - (Trompete, Flügelhorn) mit der neuen Wülker-CD und als add-ons auf der Bühne abgeliefert hat, war eine erfrischende und lebendige Stilvielfalt zwischen Jazz, Rock, Funk, Soul und Pop. Vor allem durch den Neuen, Gitarrist Arne Jansen, kamen selbst die Freunde des Fusion Jazz auf ihre Kosten.

Der Sound ist druckvoll und organisch, keine Aneinanderreihung von Soli, die ja bei so manchen Jazzkonzerten zum Technik-Schaulaufen mutieren. Komposition und Improvisation sind gefühlvoll verzahnt und werden auf hohem technischen Niveau präsentiert.

Dabei stellt sich Wülker, der immerhin in der letzten Zeit mit Größen wie Nils Landgren, Lee Ritenauer, den Grusin-Brüdern oder Dominic Miller (Gitarrist von Sting) gearbeitet hat, nicht in den Mittelpunkt. Es ist Platz für jeden in dieser Gruppe. Wülker versteht sich nicht als klassischer Leader, sondern als primus inter pares. Auch seine Solopassagen sind, z.B. im Vergleich mit dem was Jan von Klewitz nicht nur musikalisch, sondern auch körperlich darbietet, nicht sonderlich spektakulär. Aber sie bleiben hängen, wirken nach. Durch sie entsteht ein glänzender, intensiver Sound. Als Kontrapunkt gehts dann wenig später rockig und funkig ab, bis am Ende, mit der zweite Zugabe, eine himmlische Ballade die begeisterten Zuhörer mit einem wohligen Gefühl wieder in den Alltag entlässt.

In der Zeche Carl gehts am 23.04. weiter mit dem rp-Tipp! Randy Tytingvåg.

Fotos & Text: bz


CD-Tipp:

Nils Wülker „6“ (Ear Treat (edel))