Ein grüblerischer Fein- und Freigeist |

Jens Düppe's "Anima"

Köln, 25.08.2015 | Sind Schlagzeuger tatsächlich die besseren Bandleader? Paul Motian, Chico Hamilton oder in Deutschland Wolfgang Haffner haben sich bereits in unterschiedlichsten Formaten mit ihren eigenen Projekten in Szene setzen können. Und eines scheint gewiss: Sobald ein Drummer den imaginären Dirigentenstab in der Hand hält, klingt jede Musik anders. Organischer, komplexer, ausgeglichener. Ein fein austariertes, emotionales, meist sogar ziemlich fragiles Konstrukt, bei dem der Teamgedanke eindeutig im Vordergrund steht und einer ganz unscheinbar und klug vom Schlagzeugstuhl aus Regie führt.

Nicht selten können diese Schlagzeug spielenden Multitalente sogar noch komponieren. Der Prototyp dieses modernen Typus eines Jazzmusikers ist der Kölner Jens Düppe. Ein grüblerischer Fein- und Freigeist, der mit ebenso feinen Händen seinen eigenen Fantasien Gestalt zu verleihen versteht. Vor allem wegen seiner sprichwörtlichen Offenheit zählt Düppe zu den innovativsten Drummern und Perkussionisten der Republik (Jazzzeitung). Sein Debüt Album „Anima“ gleicht einer Quersumme all jener Erfahrungen, die der in Schwäbisch Gmünd geborene Blondschopf im Laufe seiner ebenso kurzweiligen wie langen Karriere sammeln konnte. Und um diese formvollendet zu bündeln, braucht es schon eine Band, die es miteinander kann, die nicht nur im musikalischen Sinn perfekt miteinander harmoniert und sich aus vielen Jahren gemeinsamen Bühnenjahren bestens kennt. Für die Aufnahme von „Anima“ verordnete Düppe seinem Quartett mit Lars Duppler (Piano), Frederik Köster (Trompete) und Christian Ramond (Bass) einen Ausflug in die Abgeschiedenheit von Casgliana, einem Tonstudio im hügeligen Hinterland Sardiniens.

Anima, das sind elf kernigen, detailverliebten, meditativen wie bewegenden und in jeder Hinsicht atemberaubenden Stücken, die alle über einen unverwechselbaren Charakter und Sound verfügen. Frederik Köster tänzelt, taumelt, ebenso wie seine drei Brüder im Geiste, nahezu schwerelos durch das musikalische Hügelland von „Anima“, bis alles zu einem kollektiven Ausdruck verschmilzt. Eine Frage des gegenseitigen Vertrauens und eines stabilen Zentrums. Der perfekte Job für einen Schlagzeuger wie Jens Düppe.