Neue alte Klänge: Auf Zeche Carl gibts wieder Jazz

Essen 8.7.2010 | Sie ist eines der ältesten und bedeutensten soziokulturellen Zentren der Bundesrepublik - Die Zeche Carl. Seit Anfang des Jahres hat das Kulturangebot eine weitere Farbe hinzubekommen. Neben dem bekannten Angebot von Rock und Punk sowie den bereits legendären Parties gibt es nun auch wieder Jazz zu hören.

Zu verdanken ist das Konny Vossebein. Seit dem 1.8.2009 ist sie nach der Insolvenz der "alten" Zeche Carl die Geschäftsführerin der neu gegründeten "AUF CARL gemeinnützige GmbH". Bevor die gebürtige Paderbornerin in den Ruhrpott kam, war sie 10 Jahre als Mitarbeitern im Bunker Ulmenwall in Bielefeld tätig und betreute freiberuflich die Pressearbeit des moers festivals.

Mit der Einführung einer neuen Jazzreihe soll das Konzertangebot auf Zeche Carl bunter werden. Im ersten Halbjahr 2010 waren bereits Matthias Eick (NO), Elefant9 (NO), Nils Wülker (D) und Eivind Aarset (NO) in der Zeche (wir berichteten). Acts, die das Jazzangebot in der Metrople Ruhr sehr bereichert haben. Ins Programm soll keine schwer verdauliche Kost, sondern eher Crossover Projekte, wie z.B. im August die US-Amerikaner "Living Colour", die eine nicht leicht einzuordnende druckvolle Musik machen. Für die einen sind sie die erste schwarze Hardrock-Band, für die anderen geniale Vertreter des Fusionjazz.

Aber genau das ist es, was es im Essener Norden braucht. Jazz für das breite Publikum. Denn, einst als Vorzeigeprojekt der soziokulturellen Arbeit gefeiert, bekam diese, über die Stadt Essen und das Ruhrgebiet hinaus bedeutende kulturelle Einrichtung immer mehr ein Schmuddelimage. Dieses Image gilt es in den nächsten Jahren abzubauen, was kein leichtes Unterfangen ist und einen langen Atem braucht. Der Jazz soll hierbei genauso helfen, wie auch einige bauliche Investitionen.

Wichtig für Konny Vossebein ist auch die Kooperation mit der hiesigen Jazzszene. Erste Gespräche gab es bereits mit der Jazz Offensive Essen, die bekanntlich seit langem nach einem Essener domicil sucht. Für derartige Veranstaltungen bietet sich in besonderer Weise der Lichthof der Zeche an, der auch ohne Publikum und Musiker (und auch bei Tag) das besondere Ambiente eines Jazzclubs vermittelt.

Es ist schwer zu ermessen, welche Bedeutung der Erfolg der Jazzreihe in der Zeche Carl hat und wer davon profitieren kann. In erster Linie natürlich das Publikum durch ein weiteres hochkarätiges Angebot an Jazzkonzerten. Dazu muss es aber bereit sein, frei von Vorurteilen auf die neue Zeche Carl zuzugehen. Auch die Essener Jazzszene (hier insbesondere die Jazz Offensive Essen) könnte hier Obdach finden. Und unsere gute alte Zeche Carl? Sie könnte mit einem neuen Image im alten Glanz erstrahlen.

Die nächsten Termine:

10.08. Living Colour
24.09. Ivo Papasov & His Wedding Band
19.10. Hazmat Modine
07.11. Wallace Roney

Weitere Veranstalltungen sind geplant.

Text: bz | Fotos: bz, cg, ZecheCarl


Die Historie der ZecheCarl

Bereits in den 70er Jahren wurde das seit 1970 nicht mehr betriebene Gelände durch Initiative von Bürgern, Jugendlichen und der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde zu einem Kulturzentrum um- und ausgebaut. Die Zeche Carl im Essener Norden hat eine lange und interessante Geschichte hinter sich: Ursprünglich als Industrieort für den Gaskohleabbau mit einem der ältesten (und inzwischen best erhaltendsten) Malakowturm ab 1861 in Betrieb, steht die Zeche Carl seit langem als ‚Prototyp’ für den Strukturwandel im Ruhrgebiet.

Eine Zäsur erfuhr das Zentrum durch die Insolvenz des damaligen Trägervereins, doch seit Herbst 2009 ist das Casinogebäude der Zeche Carl mit neuer Trägerstruktur und überarbeitetem Konzept wieder präsent als wichtiges generationen- und nationalitätenübergreifendes Forum für die Altenessener BürgerInnen sowie als überregional strahlendes Kulturzentrum für das gesamte Stadtgebiet und die Region. Kabarettveranstaltungen und Konzerte, Partys, Kurse und Workshops, Lesungen und Ausstellungen und vieles mehr finden in der Zeche Carl statt, auch soziale Institutionen und Selbsthilfegruppen sind hier angesiedelt.