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Schlagzeuger Mark Guiliana präsentiert im domicil eine neue Band

Text & Fotos: Stefan Pieper

Dortmund, 01.05.2019 | Der New Yorker Mark Guiliana gehört zurzeit zu den gefragtesten Schlagzeugern: Er trommelt bei Avishai Cohen und bildet ein Duo mit Brad Mehldau. Vor allem: Sein Schlagzeugpart ist auf David Bowies - verblüffend jazzaffinen- letzten Album „Blackstar“ verewigt! Mark Guilianas Konzert im Dortmunder domicil bereicherte die Konzertreihe anlässlich des 50jährigen Bestehens des Dortmunder Jazzclubs – und wurde dem hohen Anspruch bestens gerecht!

Wenn Guiliana mit einer eigenen Band auf Solopfaden wandelt, braucht dieser vielseitige Weltklasse-Rhythmiker keine eitle Selbstdarstellung. Umso mehr ist beim aktuellen „Beat Music“-Projekt das stringente greifbare Thema das Herzensanliegen: Um „Fusion“ geht es, diese zeitlose Verschmelzung von Jazz mit Rock und elektronischer Musik, darum, wie ein aufnahmefähiger Schwamm alle Sounds und Trends vorzugsweise aus einem elektronischen Universum aufzusaugen...

Im Dortmunder domicil gibt Guilians komprimiertes, von jeder virtuoser Eitelkeit befreites Schlagzeugspiel einer solchen Klangwelt den mächtigen Puls. So lässt sich im Kollektiv in entrückte Galaxien abheben, was vor allem die beiden Keyboarder sicherstellen. Sam Crowe und Nicholas Semrad degradieren nicht etwa ihre Synthesizer zum „Werkzeug“ oder Füllmittel, sondern spielen diese Geräte als das, was sie sind: Expressive Instrumente, mit denen man Klangfarben emotional und sinnlich formen, modulieren, verbiegen, verdichten und aufs äußerste zuspitzen kann. Auf denen sich vor allem in bester fantasievoller Jazz-Diktion improvisieren lässt. Das sorgt für eine Aura voller artifizieller Kühle und Wärme zugleich, evoziert Dramatik im Breitwandformat und zieht die Zuhörer in lyrische Wechselbäder hinein. Wie diese beiden Tastenberserker, so gehen auch Guiliana selbst und Bassist Chris Morrissey eine weitere Symbiose in dieser Band ein: Guilianas raffiniertes, aber immer der gemeinsamen Sache dienende Spiel voller Gegenrhythmen, Breakbeats, Beckengezischel und Bassdrumgepolter verzahnt sich mit dem feinsizelierten, manchmal fast an fernöstliche modale Medidationen erinnernde Bassläufe. Auch hier zeigt sich das Qualitätsmerkmal dieser Band: Ein restloses Versunkensein in Musik, wo es keinen Schnickschnack braucht.

Vor allem der erste Konzertteil legt einschlägige Referenzen offen: Da prallt ein zeitlos futuristischer Fusion-Jazzrock, wie er auch vor dem Miles Davis der 1970er Jahre Gnade finden könnte auf die Beatzerstückelungen der Drum and Bass Artisten der 1990er, zuweilen kommen gar jene latent „sakralen“ Harmonien und Klangfarben ins Spiel, die unmittelbar auf den genialen britischen Elektronikmusiker und Avantgarde-Bassisten „Squarepusher“ verweisen. Guilanas Band so etwas in die Jetzt-Zeit weiter - nicht ohne daraus eine dichte, zuweilen auch regelrecht eingängige Bühnen-Dramaturgie zu zaubern, die für mehr als zwei intensive Stunden im Dortmunder domicil gut war.

CD-Tipp

Mark Guiliana: Beat Music! Beat Music! Beat Music!