CD Besprechung

Alexander Stankovski - Linien II |

Stump-Linshalm

Text: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 20.04.2019 | Ein Album mit Kompositionen von Alexander Stankovski mit Duetten für Klarinetten.Von der E-Klarinette über das Bassetthorn bis zur Kontrabassklarinette ist hier Musik für die ganze Klarinettenfamilie zu finden.

Das Album besteht aus neun Stücken und drei kleinen Übergängen, Transition genannt. Obwohl die Stücke auch für sich stehen können, bilden sie doch auch eine Art zusammenhängende Suite. Die Kompositionen sind im Laufe von 15 Jahren entstanden.

Alexander Stankovski, dem die Zusammenarbeit von Komponist und Musiker wichtig ist, lässt die Stücke von Petra Stump-Linshalm und Heinz-Peter Linshalm spielen, mit denen er in engem Kontakt steht. So kann er sich sicher sein, dass sein Werk in seinem Sinne umgesetzt wird.

Den Begriff Linie im Titel des Werkes versteht Stankovski als Sammelbegriff melodischer Zusammenhänge, die er vielfältig gestaltet von einer Unisono – Melodie bis zum Kontrapunkt selbstständiger Stimmen. Linie gedacht als Verbindung von Punkten oder als Arpeggio.

Die Reduktion in der Instrumentierung auf zwei Klarinetten geht einher mit einer Fülle von musikalischen Ideen, die er in kleinen Stücken von wenige Minuten umsetzt. Das ganze Werk ist nur 28 Minuten lang. Die kleine Form gibt dem Werk eine enorme Dichte bei gleichzeitiger Fülle. Jedes Stück enthält neue kompositorische Ideen, Redundanz hat hier keinen Platz.

Das Werk hat einen absteigenden Tonverlauf, der im Prolog mit einem hohen verspielt, jauchzenden Unisono von E- und B-Klarinette beginnt und mit einem tiefen choralhaften Klagegesang der Kontrabassklarinetten im Epilog abschließt.

Dazwischen finden sich sehr unterschiedliche Figuren und Motive. Im Stück (Gegen-)Punkte wechseln hohe und tiefe Töne, wie der Titel schon ausdrückt, als kontrapunktische Stimmen.

Auch bei stop and go gibt der Titel Auskunft über die Form. Ein Wechsel von Tönen und Pausen, von lang gehaltenen und kurzen Tönen, etwas beginnt und wird unterbrochen.

In Diptychon dagegen umspielen sich die beiden B-Klarinetten in sehr lebhafter Manier. Nach der folgenden Transition geht es nun ausschließlich mit den Tieftönern, Bass- und Kontrabassklarinette, weiter.

Im Stück Match erinnert das Klacken mit den Klappen lautmalerisch an ein Tennis- bzw. Tischtennismatch, das von zwei Bassklarinetten abgebildet wird.

Trotz der vielen unterschiedlichen musikalischen Ideen, die manchmal auch nicht eines gewissen Humors entbehren, ist das Gesamtwerk vor allem durch immer wiederkehrenden Haltetöne geprägt. Durch diese langen Töne entsteht eine fast “droneartige“ Konstanz. Das Ausharren bei einzelnen Tönen erzeugt ein Gefühl der Stetigkeit. Bei den letzten Stücken mit den Bass- und Kontrabassklarinetten verdichtet sich diese Stimmung noch.

Linien II ist Klarinettenmusik, die nicht durch viele schnelle Noten geprägt, sondern den einzelnen Tönen Raum und Zeit zur Entfaltung gibt.

In einer Konzertankündigung wurden die Kompositionen mit Whisky verglichen der lange gereift ist. Ein Bild, das sehr passend ist. Linien II von Alexander Stankovski sind Musik, die, wie ein guter Rotwein oder eben auch Whisky, langsam mit viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Genuss konsumiert werden kann.

Ein spannendes Album, von zwei vortrefflichen Instrumentalisten gespielt, dem man viele Hörende, aus dem Kreis der Jazz-Freund*innen und darüber hinaus, wünschen kann.

Alexander Stankovski - Linien II - GODrec 2018

Petra Stump-Linshalm (B-Klarinette, Bassetthorn, Bass- und Kontrabassklarinette)

Heinz-Peter Linshalm (E- und B-Klarinette, Bass- und Kontrabassklarinette)

Als CD und Vinyl LP erhältlich.

www.godrec.com

https://www.alexander-stankovski.info/

Siehe auch Rezension: Fantasy Studies - Petra Stump-Linshalm

http://nrwjazz.net/jazzreports/2019/CD_Petra_Stump_Linshalm_Fantasy_Studies/