The Attic in Bonn |

Melodische Improvisationen

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Bonn, 03.09.2018 | Das Konzert beginnt mit einem gestrichenen Bassintro und einem lyrischen Tenorsaxophon filigran vom Schlagzeug begleitet. The Attic, ein portugiesisch-niederländisches Trio, spielt im Dialograum Kreuzung an St.Helena in Bonn.

The Attic entstand aus verschiedenen internationalen Projekten und Konzerten, bei denen die portugiesischen Musiker Gonzalo Almeida (Bass), Rodrigo Amado (Saxophon) und Marco Franco (Schlagzeug) zusammenspielten. 2017 hat die Band ihr Debütalbum veröffentlicht.

Gonzalo Almeida lebt in Rotterdam und ist sowohl mit der protugiesischen als auch mit der niederländischen Jazz- und Improvisationsszene fest verbunden.

Rodrigo Amado lebt in Lissabon und leitet dort das Motion Trio und das Wire Quartet.

In Bonn spielt Onno Govaert am Schlagzeug. Er gehört zu der jüngsten Szene der niederländischen Improvisationsmusiker und hat internationale Erfahrung.

The Attic spielen lyrisch gefühlvolle Improvisationsmusik. Besonders das Tenorsaxophonspiel von Rodrigo Amado bringt diese besondere Note ins Spiel. Amado improvisiert mit vielen melodischen Bögen und setzt immer wieder Bop- und Postbop Figuren ein. Sein lyrisches Spiel wird von Gonzalo Almeida am Bass, der oft den Bogen einsetzt, und von Onno Govaert mit sehr feinfühligem Schlagzeugspiel unterstützt.

Lange sehr feinsinnige Passagen prägen das Spiel des Trios. Aber die Musiker können auch sehr energievoll spielen. So entwickelt sich aus der zweiten Improvisation mit langem lyrischem Saxophonsolo und einem gestrichenen Bass, langsam ein sich steigerndes Tutti. Das Saxophonspiel wird wilder und schneller, Bass und Drums treiben das Spiel voran.

Auch im zweiten Set entwickelt sich aus einem melodischen Saxophonsolo und einem feinen Drum- und Bass Duo langsam ein Powerpaket. Ein schreiendes Saxophon wird von einem Schlagzeuggewitter und einem perkussiv gespieltem Bass begleitet.

Diese wilden energetischen Passagen entwickeln sich langsam aus dem vorwiegend lyrischen Spiel, treiben auf einen Höhepunkt zu und gehen langsam wieder in das gefühlvolle Spiel über.

In einigen Passagen ist das Spiel des Trios auch sehr rhythmusbetont. Gonzalo Almeida schlägt dann mit der Bogenrückseite auf die Saiten. Selbst das Saxophon geht dann in ein perkussives Spiel über. Onno Govaert setzt nun besonders die Becken ein oder spielt mit den Händen.

Das Publikum in dem gut gefüllten Dialograum ist von der Vielseitigkeit und dem großartigen Zusammenspiel der drei Musiker begeistert. Ein hervorragender Start in das Programm der zweiten Jahreshälfte.

Mit weiteren Highlights der improvisierten Musik geht es weiter:

4.9 Soundtrip NRW: Ingrid Laubrock, Tom Rainey + Erhard Hirt

Die In Situ Art Society organisiert nicht nur Konzerte, sondern auch Kunstaustellungen und Filmabende.

Vom 11.9. bis zum 25.11. findet eine Filmretrospektive statt : Kira Muratova (1934-2018), eine der bedeutendsten sowjetisch-russisch-ukrainischen Regisseurinnen.

www.in-situ-art-society.de