Lulo Reinhardt Latin Swing Project |

30 Jahre Kulturrat Bochum in Gerthe

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Reiner Skubowius

Bochum, 06.07.2018 | Musikalischer Höhepunkt und gelungener Abschluss der Jubelfeier zu ‚30 Jahre Kulturrat Lothringen‘ war zweifelsohne Lulo Reinhardt mit seinem Latin Swing Project.

Lulo ist Teil der legendären Django-Reinhardt-Nachfolger-Familie, belässt es aber nicht dabei, auf der Gitarre den Gypsy-Swing immer wieder neu aufzuwärmen. Vielmehr generiert er in einer erweiterten Band mit einer Synthese von Flamenco, Gypsy, Swing, Latin, orientalischer und auch indischer Musik einen neuen Sound. So sorgt er immer wieder für Überraschungen und lässt in dieser Vielfalt keine Langeweile aufkommen.

Gespielt wurden im 1. Set vor allem Stücke von seiner CD BAWO, die er 2013 seinem Vater gewidmet hatte. In diesen Stücken konnte man oft fließende Übergänge zwischen musikalischen Stilen heraushören, die aber nicht als Brüche, sondern alsVariationen einer größeren Einheit gut rüberkamen. Alle Stücke sind von Lulo komponiert worden.

Es begann mit Daimen, angekündigt als ‚Doppel-Walzer‘, der sich als Tango entpuppte. Magdalena begann als klarer Flamenco, der auch anfangsals ‚Malagueña‘ hätte durchgehen können, im weiteren Verlauf wurde die Flamenco-Melodik aber immer wieder durchbrochen zugunsten anderer Harmonien, die dann wiederum vom Flamenco abgelöst wurden. Im Swing 2012 werden auf dem Hintergrundeines durchgehenden Swing-Rhythmus Melodien verschiedener Couleur entwickelt. Ähnlich verfuhr er bei Cuban Flair, Lulos Tango, und anderen Stücken; hier waren, besonders beim Klaviersolo, auch manchmal bluesige Sequenzen zu hören.

Im 2. Set dominierten jeweils einzelne Stile, was nicht ‚Saitensprünge‘ zu anderen Stilen ausschloss. Es gab ein Stück aus Lulos neuem Projekt ‚Gypsy meets India‘, bei dem er auf der Gitarre ein indisches Instrument simulierte. Begleitet wurde er von dem hier als Percussionist tätigen Drummer Uli Krämer und von Christoph König, der den indischen Sound perfekt auf der Violine umsetzte. In Warumba, einem rumänischen Rumba-basierten Rap, sprach der Percussionist Jürgen Schuld, der auch in Brasilien gut bekannt ist, einen portugiesischen Text. Mit Stücken wie Hotel de Paris oder in der Zugabe, bei der die Geige über ein elektronisches Effektgerät gespielt wurde und sowohl im Sound wie der rockigen Spielweise fast zur E-Gitarre mutierte, entstand dann etwas Weitergehendes, das auf die zukünftige Entwicklung der Band weisen könnte.

Lulo Reinhardt informierte zwischen den Stücken anschaulich über deren Entstehung, über Tourneen und über seine Projekte. Sehr positiv ist hervorzuheben, dass er nicht den ‚großen Star‘ gab, sondern der Band viel Spielraum ließ. So schien zunächst sogar der Geiger Christoph König den Kristallisationspunkt zu bilden, denn er nahm die zentrale Position in der Mitte der Bühne ein, und war auch durch seine ausgiebigen Soli sehr präsent. Christoph König ist ja inzwischen als exzellenter Jazzgeiger bekannt. Auch er ist in vielen Musikstilen zu Haus und hat oft im Ausland gespielt; umso besser passt er in dieses Ensemble.

Den Groove bildeten Harald Becher (E-Bass), Uli Krämer (Drums) und die Brüder Jürgen Schuld (Percussion) und Winfried Schuld (E-Piano). Sie sorgten für die durchgängig besonders rhythmische Akzentuierung. Winfried Schuld, der nebenbei auch für den Ton zuständig war, brillierte bei vielen Soli. Sein Bruder konnte sein vielfältiges Können unter Beweis stellen und setzte in der Rhythmik zusätzliche Akzente.

Am Ende war klar: das war‘s noch nicht, hier geht’s noch weiter, denn Lulo hat noch viele neue Ideen. Freuen wir uns drauf!

Wenn alles klappt, wird Lulo Reinhardt Ende November mit seinem neuen India-Projekt zurück nach Bochum-Gerthe kommen. Denn in Indien liegen die Wurzeln der Sinti, und der Verwandtschaft von Sprache und Musik wird dann im Kulturrat zu lauschen ein.