CD-Rezension

Hendrix in the Spirit Of Jazz |

Kompilation von unterschiedlichen Hendrix-Versionen

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 19.01.2018 | Gitarren- und Rock-Ikone Jimi Hendrix wäre im letzten November 75 Jahre alt geworden. ACT nimmt dies zum Anlass, der Kultfigur einen Sampler aus der hauseigenen Schatztruhe mit unterschiedlichen Interpretationen zu widmen.

Den Einstieg liefert Bugge Wesseltoft mit einem balladesken Pianosolo von Angel. Sein finnischer Klavierkollege Iiro Rantala verwandelt im Trio mit Lars Danielsson am Bass und Peter Erskine an den Drums Little Wing in ein grooviges Stück im typischen Modus eines Klaviertrios mit einem nahezu pathetischen Pianosolo. Das folgende Are You Experienced kommt u.a. mit dem Polish Symphony Orchestra mit Streichern, Bläsern und einer sitarähnlich gespielten Celesta von Leszek Moudzer in einer arg weichgespielten symphonischen Version. Die andere Großbesetzung des Albums gibt dagegen mit der NDR-Bigband ein packendes Voodoo Chile – mit einem glänzenden Stephan Diez an der Gitarre und einem lebendigen Solo des Arrangeurs Howard Johnson an der Tuba. Drifting wird von der Sängerin Youn Sun Nah vorgestellt, sie wird dabei u.a. von Marc Ribot an der Gitarre begleitet, der den zarten Gesang in ein ekstatisches Gitarrensolo überführt, das Hendrix unverkennbar hochleben lässt. Der schwedischen Sängerin Ida Sand gelingt mit Manic Depression eine flüssig-rockige Interpretation.

Allein bei vier Stücken des Samplers ist der vietnamesisch-französische Gitarrist Nguyên Lê beteiligt. Dies ist kein Zufall, war der Saitenvirtuose doch der erste Künstler, den ACT in seinem Gründungsjahr vor über 25 Jahren exklusiv unter Vertrag nahm. Aus seiner Erfolgs-CD Purple – Celebrating Jimi Hendrix aus dem Jahre 2002 stammen die beiden Versionen von 1983...(A Merman I Should Turn To Be) und If 6 Was 9 mit Terri Lyne Carrington am Schlagzeug- erstere eine rockige Fassung mit experimentellen Klangelementen und Sprechgesang der Drummerin, zweitere in gleicher Besetzung mit Michel Alibo am Bass, Bejan Z am Piano bzw. den Fender Rhodes und zusätzlich Aida Khann ist mit dem Rhodes-Part mit Walking Bass-Unterstützung „jazziger“. Little Wing gibt dem Gitarristen in Trio-Besetzung mit Dieter Ilg am Bass und Danny Gottlieb an den Drums die Gelegenheit zu einem fetzig-singenden Solo ganz in Hendrix-Tradition. So auch in der 14-minütigen Fassung von Purple Haze. Sie entstand zur 20. Geburtstagsfeier des Labels zusammen mit der ACT Family Band mit Cæcilie Norby, Céline Bonacina, Wolfgang Haffner und Lars Danielsson. Der Hendrix-„Klassiker“ beginnt als wuchtig-rockige Live-Version, hat psychodelisch anmutende Sequenzen, die in einen funkigen Rock übergehen und nicht zuletzt durch das Bariton-Sax-Spiel von Céline Bonacina getragen werden. Und von Anfang bis Ende das herrlich virtuose Spiel des Gitarristen. Ein Hendrix-Zitat ziert das Booklet: „When I die, I want people to play my music, go wild and freak out and do anything they want to do.“ (Hendrix) Die von Marco Ostrowski verantwortete Kompilation erfüllt den Wunsch des Meisters, es geht wild und ausgeflippt zu, wie bei einer Hendrix-Verbeugung auch nicht anders zu erwarten ist. Sie zeigt aber auch, wie eigenwillig introvertiert der Inbegriff des ekstatischen Musikers interpretiert werden kann.

Hendrix in the Spirit of Jazz – ACT 9859-2

Übrigens, der bei dem Titel Little Wing aufgeführte Ausnahme-Drummer Peter Erskine ist in Kürze (am 02. Februar) im Rahmen des Percussion Summits im Bochumer Musikforum zu erleben.