CD-Besprechung

Barbara Barth und Manuel Krass |

"In Spheres" ...in unbekannte Sphären eintauchen

Text & Fotos: Stefan Pieper

Marl, 10.05.2018 | In Sphären eintauchen – eine solche Formulierung wird nicht selten strapaziert, um ein künstlerisches Credo zu definieren. Barbara Barth und Manuel Krass sagen so etwas aber nicht nur – sie machen auf der neuen Duo-CD „In Spheres“ vor, wie so etwas faktisch geht. Nicht zuletzt, weil hier Begriffe wie „Konzentration aufs wesentliche“ ernst genommen werden.

So sphärisch wie nur denkbar, bringt das Eröffnungs- bzw. Titelstück die programmatische Richtung auf den Punkt. Barbara Barths ausgedehnte, atmende Gesangslinien werden von sparsam dahingetupften Synkopen des Fender Rhodes beantwortet. Vor allem geht es darum, den Raum weit zu machen – mit gesungenen Strophen, in weitgespannten Melismen, aber auch in Parts, in denen die – oft mutig virtuos und gerne experimentell eingesetzte - Stimme zum gleichberechtigten Instrument wird. Viel Fantasie lebt beim Umgang mit Harmonien, Intervallen und Chromatik, ebenso, was Klangfarben und Effekte betrifft, die für verblüffende Raumwirkungen sorgt.

Manuel Krass ist an seinem Laptop und auf dem Stagepiano ein hellwacher Ideengeber, Widerpart und Dialogpartner. Oft alles zugleich und mit nie einem Ton zu viel! Da gibt eine sparsame Tonfolge im richtigen Moment eine modale Struktur vor, um ein ganzes Stück oder eine Duo-Improvisation daraus abzuleiten. Oder es fordern rhythmische Texturen Barbara Barth heraus, allein mit ihrer Stimme zu improvisieren. Und immer scheint Manuel Krass ein ganzes Arenal von Tasteninstrumenten zu bedienen – sei es Konzertflügel, Hammerklavier oder Celesta. Alle diese Sounds hat er sorgsam am Rechner konzipiert und seinem Stagepiano „virtuell“ einverleibt.

Das Duo hebt auf diesem Album aber nicht nur in freie Klangsphären ab, denn dafür spannen eindringliche, in bestem Sinne „große“ Songs immer wieder neu den emotionalen roten Faden. Unter anderem Folk-Tunes wie das erhabene „Windmills of your mind“ haben es Barbara Barth angetan, die sie mit klarer, vor allem in Mittellage immer ausdrucksstärker werdender Stimme intoniert. Aber schon im nächsten Moment wird wieder lustvoll mit dem Material gespielt und auch mal low-fi-mäßig durch den Verzerrer gejagt. Ebenso, wie aus Cole Porters „Every time wie say goodbye“ etwas gänzlich neues, gegenwärtiges entsteht.

Barbara Barth kann selber Songs schreiben - und wie! Das Stück „Let go“ beginnt sehr verspielt, fast spielzeughaft, dann kommt subtile Jazzharmonik ins Spiel, die schließlich in eine sehnsuchtsvoll-melancholische Ballade mündet. Das setzt so viel tiefe Emotion frei, dass einem sowieso jedes Nachdenken über „Stilschubladen“ oder „Genres“ vergeht. Dieser Song, ebenso weitere, tief in sich ruhende neue Stücke namens „One day she`ll fly“ oder „Inner Peace“ bestreichen weitgespannte dramaturgische Bögen, erzählen damit jene „Geschichten aus Worten, Lauten und Klängen“, wie im Begleittext der eigene Anspruch formuliert - und hier imponierend eingelöst wird.