Festivals in NRW

WINTERJAZZ Köln 2017 |

Schlange stehen für Jazz

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Gerhard Richter

Köln, 18.01.2017 | Lange Schlangen vor dem Stadtgarten in Köln und den gegenüberliegenden Lokalen. Keine Party, kein Popkonzert, sondern der alljährliche Winterjazz findet statt: 19 Konzerte, 60 Musikerinnen und Musiker, fünf Bühnen, im Stadtgarten, im Zimmermann`s und in der Umleitung. Seit sechs Jahren leitet Angelika Niescier den Winterjazz, der Dank der Zuschüsse der Stadt und des Landes kostenlos ist. Ein Samstagabend mit einer geballten Ladung Jazz, eine Schubkraft in das neue Jahr.

Auch 2017 hat Angelika Niescier wieder ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, um unterschiedliche Facetten des Jazz zu präsentieren und vielleicht auch neues Publikum zu gewinnen.

Der Schwerpunkt ist moderner Jazz. Im Saal des Stadtgartens finden die konzertanten Auftritte statt. Eröffnet wird der Winterjazz vom Duo Michael Heupel an den Flöten und Frank Wunsch am Piano. Feiner Kammerjazz, mal lateinamerikanisch, mal von Chick Corea oder Improvisationen vom Pianisten Frank Wunsch. Musik zum Ankommen, mit großer melodischer Kraft.

Der Auftritt des Martin Sasse Trios ist von ganz besonderer Art. Er wird begleitet von der Steptänzerin Pia Neises. Eine atemberaubende Tänzerin, die sowohl eigene als auch klassische Choreagraphien steppt. Wer wäre besser geeignet den Klassiker Bye Bye Blackbird als Grundlage für eine klassischen Tapdance Nummer zu spielen als Martin Sasse, einer der besten Mainstream Pianisten Deutschlands - mit Volker Heinze am Bass und Marcus Rieck am Schlagzeug.

Dann wird es experimenteller im Stadtgarten. Dusica Cajlan-Wissel, am präparierten Piano, Etienne Nillesen an präparierter Snaredrum und Georg Wissel am präparierten Altsaxophon loten in ihren Improvisationen die Qualitäten von Klang, Ton und Geräusch in allen Aspekten aus.

Auch das Duo des Posaunisten Henning Berg und des Pianisten Simon Seidl gibt der Improvisation großen Raum. Die beiden arbeiten seit einigen Jahren zusammen und haben eine eigene gemeinsame Sprache gefunden, mit spannenden Harmonien und Rhythmen.

Clemens Orth beschließt den Abend im Saal des Stadtgartens mit seiner impressionistischen Klangästhetik mit seinem Piano Solokonzert. Eine unerschöpfliche Fülle an musikalischen Ideen aus den Bereichen Klassik und Jazz werden hier zusammengeführt.

Im Restaurant des Stadtgartens spielt die Groove Fraktion. Benedikt Hesse mit seiner Band Cubanola, entführt das Publikum nach Kuba und New Orleans. Danach spielt das “Trio 212“. Ein junges Orgeltrio: Max Blumenrath, Orgel, Rafael Krohn, Gitarre und Thomas Esch, Schlagzeug. Weiter geht es dann mit Christian Winninghoff & Perfect Weekend. Winninghoff, bekannt als Trompeter und Arrangeur der Jazzkantine, präsentiert eine explosive Mischung aus Funk und Jazz.

Funkig geht der Abend im Restaurant auch zu Ende, mit der Band Sommerplatte: Hanno Busch, Gitarre, Tobias Philippen, Keyboard, Claus Fischer, E-Bass und Florian Bungardt, Schlagzeug.

Auf der Bühne im Studio 672 gibt es feinsten Gitarrenjazz mit Rock von Renken, Scholly, Thomé. Christian Thomé spielt auch in Kathrin Scherer`s Momentum, mit dem Pianisten Hans Lüdemann zusammen.

Auch die Jazz Sängerinnen sind auf dem Winterjazz vertreten. Anette von Eichel, im Duo mit dem Posaunisten Christof Thewes, liest ausdrucksstark Texte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Weitere Sängerinnen sind die argentinisch stämmige Kölnerin Sabeth Perez, mit ihrer Band und die junge vielseitigen Österreicherin Veronika Morscher im Duo mit dem Gitarristen Martin Schulte. Morscher/Schulte ist eins, von drei Duos, die in der Gaststätte Umleitung auftreten. Stephan Mattner, Tenorsaxophon und Sebastian Räther, Bass, sowie Matthias Bergmann, Trompete/Flügelhorn und Uli Brodersen Gitarre sind die beiden anderen.

Im Zimmermann`s spielen die jungen Stars der Kölner Szene. Pollon mit Theresia Philipp an Saxophon und Klarinette, David Helm am Bass und Thomas Sauerborn am Schlagzeug. Eine vielbeachtete junge Band voll Spielfreude und Lust am Experimentieren. David Helm und Thomas Sauerborn bilden auch im Quartett der Posaunistin Shannon Barnett die Rhythmusgruppe. Stefan Karl Schmid spielt das Tenorsaxophon. „Feurig bis düster; fokussiert auf rhythmische Elemente und als schrullig humorvoll“ beschreibt die australische Musikerin und Komponistin selbst ihre Musik. Als letztes ist noch die Band C.A.R. zu nennen, die Elektronik und Jazz zu einer Mischung aus Krautrock und Cyberpunk verarbeiten.

So ziemlich alles was es an modernem Jazz in Köln gibt, kann das Publikum auf dem Winterjazz 2017 hören. Junge aufstrebende Talente und erfahrene Jazzerinnen und Jazzer.

Eine bunte Mischung an qualitativ hochwertiger Musik. Natürlich ist nicht möglich alles zu hören, es gilt sich zu entscheiden.

Auf Grund des Andrangs und der Schlangen ist es nicht leicht einfach von einem Ort zum anderen zu wechseln, so bleiben viele Leute an einem Ort und hören sich dort die Gigs an. Auch gut. All das gehört dazu. Auch Leute, die sonst keinen Jazz hören schauen vorbei und hören mal rein.Viele junge Leute sind im Publikum.

Well done Angelika Niescier. Alles richtig gemacht.

www.winterjazzkoeln.com