Funky Jubilee Night |

ACT Jubiläum mit besonderem Konzertabend

Text & Fotos: Vera Marzinski

Leverkusen, 08.11.2017 | 25 Jahre Jazzlabel – darauf blickt ACT zurück. Drei ihrer Ausnahmekünstler spielten zur Jubilee-Night auf und powerten vier Stunden vom Feinsten richtig schön funky.

Damit gaben sie einen kleinen Auszug aus einem spannenden, ausgewählten Repertoire mit qualitativ hochwertigen Produktionen in einem Vierteljahrhundert des Labels – und aus ihren eigenen Veröffentlichungen. Roman & Julian Wasserfuhr, Wolfgang Haffner und Nils Landgren mit seiner Funky Unit brachten drei grandiose Konzerte an einem Abend auf die Bühne im Leverkusener Forum zu den 38. Jazztagen.

Auch ein Jubiläum in Leverkusen hatten die Wasserfuhr Brüder. Vor zehn Jahren spielten sie hier zum ersten Mal. Beide moderierten ihre Stücke an und hatten sich zu Piano und Trompete noch den brillanten Percussionisten Bodek Janke, WDR Big Band Köln Saxophonist Paul Heller und Bassist Markus Schieferdecker dazu geholt. Sie entführten nach New York, wo ihre jüngstes Album „Landed in Brooklyn“ entstanden ist. Passend dazu auch „Englishman in New York“ – der schon auf ihrer „Gravity“ aus 2011 zu finden ist. Ganz neu ist „Schnaff“ in ihrem Musikrepertoire und – sie haben sich zudem ihr eigenes Bier mit gleichem Namen gebraut, denn so Roman „wir brauchten mal ein männliches Hobby“. Den Abend eröffneten sie allerdings mit dem durch Louis Armstrong bekannt gewordenen Jazzstandard „St. James Infirmary“, bevor sie sich im Dreivierteltakt in „Lost in time“ begaben oder das Spiel „Tutto“ musikalisch umsetzten.

Mit Christopher Dell (grandios und sehr dynamisch am Vibrafone), Roberto Di Gioia (Piano), Christian Diener (Bass) übernahm Drummer Wolfgang Haffner anschließend das Podium. Dass Haffner ein Schlagzeuger der Sorte „Kind of cool“ ist, beweist er mit jedem Stück. Selbst seine letztes Album hieß so. Nun hat er sich von Spanien bzw. von seiner Wahlheimat Ibiza inspirieren lassen und da passt dann der Titel „Kind of spain“ perfekt. Und natürlich erhielten die Gäste im Leverkusener Forum so einige Kostproben aus der jüngst erschienen Scheibe. „Tres Notas para Decir Te Quiero“, „Pasodoble“ und „Spain“ können unterschiedlicher nicht sein und zeigen spanischer Folklore in einem Soundgewand des Modern Jazz Quartett. „Spain“ widmete Haffner Al Jarreau, mit dem dieses Chick Corea Stück eigentlich aufgenommen werden sollte. Der deutsche Vorzeige-Schlagzeuger, der längst weltweit im Jazz eine feste Größe ist, zeigte mit seiner Band wahrhaftige Virtuosität und ein Feuerwerk der Rhythmik.

Und wenn dann schließlich der Mann mit der roten Posaune den Funk zelebriert, nimmt die Jubilee-Party kein Ende. Nils Landgren ist der Mittelpunkt auf der Bühne, aber seinen Funk Unit Bandmitgliedern gibt er viel Raum um ihren eigenen Funk zu performen. Er ist dabei das Netz, das zwischen den Instrumenten und Stimmen geknüpft wird. „Unbreakable“ heißt nicht nur das neue Album, sondern auch der erste Titel. Mit „Friends“ bekunden sie, was sie verbindet. Vor 25 Jahre legte Landgren den Grundstein für seine in Europa konkurrenzlose Karriere als Posaunist, Sänger, Produzent, Mentor, Bigband-Leader und Festivalleiter mit seiner Funk Unit. Der schwedische Musiker zählt zu den großen Persönlichkeiten des europäischen Jazz und vereint seine Improvisationsfähigkeiten mit dem Gespür für Funk- und Popmusik. Sie sind ganz relaxed, ziehen dann die Soul-Schraube ein wenig an, geben ein wenig Hip-Hop dazu und überschreiten musikalische Grenzen. Magnum Coltrane Price mit seinem Bass, Gitarrist Andy Pfeiler , Jonas Wall am Saxophon, Petter Bergander an den Keyboards und Drummer Robert Ikiz lassen den Abend nicht einfach ausklingen. Sie wissen, wie sie die Stimmung so richtig anheizen können und mit Effekten den Sound noch mehr verfeinern. Die ACT Jubilee Night brachte den richtig guten Jazz zu den 38. Leverkusener Jazztagen am dritten Abend der Festivalwoche - einfach jazzig funky.