Look Inside |

Soundtrip NRW mit Steve Beresford

Text & Fotos: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 03.09.2017 | Eine besondere Form der Introspektion verspricht der Titel der aktuellen Reihe von Soundtrips-NRW: Look Inside! Aktueller Gast dieser Reihe mit sieben Einsätzen mit unterschiedlichen Vertretern der NRW-Szene ist der Pianist Steve Beresford, einer der bekanntesten und quirligsten Vertreter der britischen Improvisationsszene. Im Kunstmuseum Bochum trifft er auf den Gastgeber Martin Blume und den Kölner Posaunisten und Medienkünstler Matthias Muche.

Die britische und holländische Improvisations-Szenen haben bekanntermaßen eine skurril-anarchische Komponente, auch Steve Beresford ist diese nicht fremd, im Gegenteil: Neben seinem Einsatz in der Improvisationsmusik war er etwa in der Theaterszene aktiv, spielte Hammond-Orgel in einer Souldband und verfasste zahlreiche Filmmusiken. Einen gewissen Hang zur anarchisch-humorvollen Seite der Improvisation ist auch in Bochum beim Solo-Einstieg von Steve Beresford zu spüren: In schnellen Läufen spielt er Versatzstücke von Vaudeville, von Theater- und Schlagermusik an, verfremdet durch Gegenstände auf den Flügelsaiten. Ruhigere Sequenzen wechseln sich ab mit chopinesken, ein Voicerecorder gibt eine künstliche Stimme aus dem Flügelkorpus dazu. Bei einem pianistischen Klanggewitter steigen die beiden anderen Musiker in den zirzensischen Spaß ein, es entspinnt sich eine wunderbare Interaktion zwischen dem jungen Posaunisten, dem umtriebigen Perkussionisten und dem Tasten-Solisten. Ihr Set ist bestimmt durch eine kaum merklich ständig wechselnde Dynamik und eine wundersam interferierende Modulation des Sounds. Manche Töne entsprechen sich genau im gleichen Moment, um anschließend wieder kollektiv auf andere Klangebenen transferiert zu werden. Der Erwartung an die Vorstellung von einem „erweiterten“ instrumentellen Einsatz des Pianos im Sinne des Cage’schen präpapierten Klaviers wird Steve Beresford voll und ganz gerecht: Die Saiten werden mal gezupft, mal durch Becher und andere Gegenstände traktiert, mal mit der Faust geschlagen, mal auch von der Flügelrückseite behandelt, mal mit einem Gegenstand in Glissandi versetzt. Der Resonanzraum des Flügels wird auch zur Verstärkung des Stylophons benutzt, mit dem Beresford quasi als Spiel-Zeug zusätzliche Klangfarben generiert. Auch die Nutzung des Flügels als Perkussionsinstrument gehört dazu, gespielt wird auch auf dem geschlossenen Klavierdeckel. Ein befeuchteter Finger gleitet mit entsprechenden Quietschgeräuschen über den Flügellack. Das Ganze kippt dabei nicht etwa ins vordergründig Clowneske. Matthias Muche erdet das Spiel mit einem voluminösen Posaunen-Ton, in den sich ebenfalls raffiniert experimentelle Klangfarben mischen. Martin Blume (er-)findet dazu einen nicht enden wollenden Reichtum an rhythmisch-klanglichen Einsätzen aus seiner Trickkiste. Dem Trio gelingt damit eine ausgesprochen intensive Klangdichte und ermöglicht den konzentrierten Zuhörern eine inspirierende Innensicht.

Die nächsten Soundtrips-Termine mit Steve Beresford:

Münster, 3. 9. 2017, 20:00 Uhr BLACK BOX im cuba, Achtermannstraße 12, 48143 Münster m. Musikern des Wuppertaler Improvisationsorchesters

Köln, 5. 9. 2017, 20:30 Uhr Loft, Wissmannstr.30, 50823 Köln m. Martin Blume- Percussion, Florian Walter - reeds, Carl Ludwig Hübsch - Tuba

Düsseldorf, 6. 9. 2017, 20:00 Uhr, Bergerkirche, Bergerstraße 18b, 40213 Düsseldorf m. Etienne Nillesen - Schlagzeug, Nicola Hein - Gitarre

Wuppertal, 7. 9. 2017, 20:00 Uhr, Ort, Luisenstr. 116, 42103 Wuppertal m. Sue Schlotte - Cello, Philippe Micol - reeds

Bielefeld, 8. 9.2017, 20:00 Uhr, Bunker Ulmenwall, Kreuzstraße 0, 33602 Bielefeld m. Willem Schulz - Cello, Luise Volkmann - Saxophon

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