Signum saxophone quartet |

Klassik und Jazz auf Augenhöhe

Text: Uwe Bräutigam | Fotos: Agentur Künstler Nadine Targiel

Köln, 30.12.2017 | Es begann vor elf Jahren in Köln. Vier junge Saxophonisten gründen in der Domstadt das Signum saxophone quartet. Mittlerweile spielen sie in Konzertsälen auf der ganzen Welt, von der Carnegie Hall bis zum Konzerthaus Wien. Nun treten Blaz Kemperle (Sopransaxophon), Erik Nestler (Altsaxophon), Alan Luzar (Tenorsaxophon) und Guerino Bellarosa (Baritonsaxophon) wieder in der nahezu ausverkauften Kölner Philharmonie auf. Ihr Programm besteht aus einem Klassik Teil und einem Jazz Teil. Es ist der Tag nach den Weihnachtsfeiertagen, viele Familien sind im Publikum und so spielen sie viel Bekanntes und Eingängiges.

Das Konzert eröffnet mit den fünf Sätzen aus Aus Holbergs Zeit (1884) von Edvard Grieg. Als Zuhörer ist man immer wieder erstaunt über den vollen orchestralen Klang den die jungen Musiker auf nur vier Saxophonen hervorbringen. Mit geschlossenen Augen meint man eine Big Band oder ein kleines Sinfonieorchester zu hören. Aber die vier Saxophonisten imitieren kein Streichquartett, sondern setzen ihre Saxophone selbstbewusst ein. Mit einer präzisen Phrasierung und einem hervorragenden Gespür für den Umgang mit der Dynamik schaffen sie es, die Stücke nah am Original zu halten und ihnen doch ein besonderes Flair zu geben. Nach der Holberg Suite wird es avantgardistisch: Four, for Tango (1987), von Astor Piazolla ursprünglich für das Kronos Quartet geschrieben. Hier zeigen die vier Saxophonisten, dass sie auch zeitgenössische Musik hervorragend darbieten können. Nach dem schrägen und dissonanten Tango, wird es wieder gefälliger mit Rimskij Korsakows Scheherazade (1888). Das Signum quartet wird bei diesem Werk von dem meisterlichen Pianospiel Michael Lifits (*1982) unterstützt.

Ein begeistertes Publikum wird in die Pause entlassen.

Der zweite Teil des Konzertes ist dem Jazz gewidmet. Das Quartett beginnt mit Leonard Bernsteins Symphonic Dances from West Side Story. Die berühmten Songs wie Maria oder America aus der West Side Story stimmen das Publikum auf den jazzigen Teil des Abends ein.

Es folgt das Werk Pequena czarda von Pedro Iturralde (*1929), dem großen Saxophonisten und Komponisten, aus Spanien, Begründer des Flamenco Jazz, der viel mit Stan Getz und Paco de Lucia zusammengearbeitet hat. Weiter geht es mit dem Brasilianer Marcelo Zarvos (*1969) und dem groovigen Stück Memory aus: Nepomuk`s Dances. Es ist Nepomuk Schneidewein gewidmet, einer Figur aus dem Doktor Faustus von Thomas Mann. Hier sind Einflüsse von Steve Reichs Minimal Music zu spüren.

Zum Abschluss spielt das Quartett mit frecher Virtuosität und swingender Spiellaune den Gershwin Klassiker Rhapsody in Blue in eigener Bearbeitung. Michael Lifits brilliert dabei wieder am Piano.

George Gershwin schrieb dieses Werk 1924 mit dem Ziel Jazz und Klassik zusammenzubringen. Bei der Uraufführung, bei der der Pianopart noch nicht ausnotiert war, spielte George Gershwin selbst am Klavier. Mit der Rhapsody in Blue wollte er den Jazz auf Augenhöhe mit der Klassik auf die Konzertbühne bringen. In gewisser Weise hat er damals genau das getan, was das Signum saxophone quartet heute macht, Klassik und Jazz gleichberechtigt nebeneinander zu stellen.

Das Publikum spendet frenetischen Beifall und feiert die sympathischen jungen Musiker.

Webside des Quartetts:

signum-saxophone.com/