Festivals in NRW

Klaeng Festival 2017 |

Tineke Postma, Paulo Alvares, Scott Robinson

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 19.11.2017 | Zum siebten Mal findet im Stadtgarten das jährliche Festival des Klaeng Kollektivs statt.

Am ersten Festivaltag spielen zwei Bands, die jeweils von einer Saxophonistin und einem Saxophonisten geleitet werden. Zwischen den beiden Gruppen gibt es ein Piano Solokonzert von einer Größe der Improvisation und der Neuen Musik.

Tineke Postma Quartet feat. Frederik Köster

Tineke Postma und ihre Band aus Holland eröffnen den Festivalabend. Tineke Postma hat sich in den letzten Jahren als eine herausragende Saxophonistin international etabliert. Als Einstieg spielt Marc van Roon ein ruhiges Piano Intro mit einer sich wiederholende Akkordfolge. In diese Klänge hinein setzt Frederik Köster mit seiner Trompete ein. Dann kommt die Rhythmusgruppe und Tineke Postma mit ihrem Altsaxophon dazu. Modern Jazz mit eigener Note. Die Anbindung an die Tradition, etwa das lyrische Spiel von Wayne Shorter ist deutlich zu hören. Postma wechselt mit großer Leichtigkeit von Postbop Phrasen ins freie Spiel und umgekehrt. Bei einem Stück von Eric Dolphy greift sie auch zum Sopransaxophon.

Sie spielt ganz ergreifend zarte und weiche Soli mit leicht melancholischem Unterton, kann aber auch wild und entfesselnd spielen. Tineke Postmas einfallsreiches lyrisches Spiel, gestützt von den kreativen Figuren ihrer Rhythmusgruppe und begleitet vom herausragenden Trompetenspiel von Frederik Köster schaffen eine außerordentlich warme und dichte Athmosphäre.

Tineke Postma – Saxofon
Frederik Köster – Trompete
Marc van Roon – Piano
Frans van der Hoeven – Bass
Tristan Renfrow – Schlagzeug

Paulo Alvares Piano Solo

Nach kurzer Umbaupause steht der Flügel für Paulo Àlvares auf der Bühne bereit. Der brasilianische Pianist Àlvares ist seit vielen Jahren in Köln zu Hause und hat eine Professur an der Hochschule für Musik. Àlvares ist eine internationale Größe für Neue Musik und Improvisation. Er hat das Pianowerk von Mauricio Kagel und von Gerhard Stäbler auf CD eingespielt. Am heutigen Abend spielt er nur eigene Stücke, in denen seine Gefühle von Freude und Schmerz ausgedrückt werden.

Àlvares Pianospiel ist von harten kraftvollen Anschlägen geprägt. Immer wieder entstehen komplexe rhythmische Figuren und kleine Melodiebögen. Er bearbeitet auch in einigen Stücken die Saiten des Flügels direkt und erzeugt dabei schwebende, rauschende Töne. Mit dem Klöppel schlägt er die Seiten kräftig an und erzeugt Knalleffekte. Aber die meiste Zeit spielt er an den Tasten, mit harten, schnellen und lauten Anschlägen. Trotz des kraftvollen Anschlags schwingt viel Poesie im Spiel von Àlvares mit. Ein beeindruckendes Solokonzert, allerdings nicht ohne Folgen für den Flügel. Ein eilends herbeigerufener Klavierstimmer musste eine gerissene Saite auswechseln und den Flügel wieder stimmen. Er ist der Mann des Abends und bekommt einen extra Applaus.

Scott Robinson - Bronze Nemesis

Die dritte Gruppe des Abends besteht aus jungen Kölner Musikern unter Leitung des amerikanischen Multiinstrumentalisten Scott Robinson. Das Programm Bronze Nemesis von Scott Robinson bezieht sich auf die Pulp Fiction Figur Doc SavageThe Man of Bronze, die ab 1933 in Groschenheften in den USA erschien. Ein Vorläufer von Superman und James Bond.

Zur Konzerteröffnung tritt Robinson mit seinem Tenorsaxophon an das Schlagzeug und stößt heftig in sein Horn, Thomas Sauerborn beantwortet die Phrase am Schlagzeug. Dieser Anfang hätte gut zu Peter Brötzmann gepasst. Aber so wild geht es nicht weiter. Die Stücke haben Anleihen aus allen Jazztraditionen, von Swing bis Avantgarde. Wobei die traditionellen Bereiche mit freien Improvisationen verbunden im Mittelpunkt stehen. Robinson spielt nicht nur verschiedene Saxophone von Sopran- bis Basssaxophon und Alt-Klarinette, er setzt auch ein Theremin ein.

Ein Instrument, das ohne Berührung gespielt werden kann. Es wird ein elektromagnetisches Feld aufgebaut, das von der elektrischen Kapazität des menschlichen Körpers, also den Händen, beeinflusst wird. Das Instrument wurde 1920 von dem Russen Lew Thermin erfunden. Es erzeugt einen sphärischen hohen gesangsartigen Sound. Das Instrument findet in der Neuen Musik, in Science Fiction Filmen oder in der Psychedelischen Musik Anwendung. Im Jazz wird es selten verwendet.

Die Stücke tragen Titel aus der Doc Savage Heftreihe: Once Over Lightly, The Weird Valley oder The Mental Wizard. Robinson ist von den Titeln so begeistert, für ihn sind schon die Titel Musik in seinen Ohren.

Als Gast holt Robinson Niels Klein mit Bassklarinette auf die Bühne und würdigt ihn als hervorragenden Instrumentalisten und Komponisten.

Als Zugabe spielt er Solo Tenorsaxophon. Scott Robinson, der der jüngste Dozent des Berklee College in Boston war, ist begeistert von seinen Kölner Mitmusikern, mit denen er in nur sechs Stunden Probe, dieses Programm erarbeiten konnte. Er freute sich sichtlich über Matthias Schriefl, der ihm mit Trompete, Horn und Euphonium zur Seite steht. Aber auch die Leistung von Lucas Leidinger, Matthias Akeo Novak und Thomas Sauerborn imponiert Robinson sehr. “Cologne is a real treasure house of musicans.“

Scott Robinson – Tenor-, Sopran-, und Bass-Saxophon, Altklarinette, Theremin
Matthias Schriefl – Trompete, Euphonium
Lucas Leidinger – Piano
Matthias Akeo Nowak – Kontrabass
Thomas Sauerborn – Schlagzeug

Der nächste Klaeng Termin: Klaeng die Serie #12

Stadtgarten Köln,

20.12.17,20.30 Uhr

http://klaengkollektiv.de/