Festivals in NRW

Meisterwerk im Schatten der Neubauten |

Scott Fields Beckett - Suite

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 04.05.2017 | »Komm, wir gehen.«
»Wir können nicht.«
»Warum nicht?«
»Wir warten auf Godot.«
»Ach ja.«

(Wiederkehrender Dialog aus Warten auf Godot )

Der aus Chicago stammende Komponist und Gitarrist Scott Fields spielt mit einem Quartett seine Beckett – Suite, eine musikalische Umsetzung von Warten auf Godot. Im Rahmen von On@Acht Brücken wird die Suite im Kölner Stadtgarten aufgeführt. Scott Fields hat dabei herausragende Musiker an seiner Seite.

Matthias Schubert, Saxophonist und Komponist, ist ein vielgefragter Musiker im Grenzbereich von Jazz, Improvisierter- und Neuer Musik, der auf über 70 Tonträgern mitspielt. Er hat auch an der Aufführung der NovemberlandSonette mit Güntr Grass und dem Scott Fields Ensemble mitgewirkt.

Niklas Seidl ist Cellist und Komponist. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe

hand werk aus Köln und spielt im ensemble mosaik, ensemble chromosom und ensemble aisthesis. Seidl hat auf vielen großen Festivals, wie dem Lucerne Festival, als Komponist mitgewirkt.

Der Schlagzeuger Dirk Rothbrust ist seit 2005 Mitglied der Kölner des international renomiertenEnsemble MusikFabrik. Im Rahmen des Acht Brücken Festivals tritt er in unterschiedlichen Formationen auf. Er gehört zu den besten Schlagwerkern im Bereich der zeitgenössischen Musik.

Scott Fields hat in seiner Komposition Warten auf Godo, den Klassiker des absurden Theaters von 1949 (Uraufführung 1953), als Grundlage gewählt. Becketts knappe Texte und die vielen Wiederholungen lassen einen musikalischen Rhythmus entstehen. Fields beschäftigt sich bereits seit über 15 Jahren mit Umsetzung von Literatur in Musik und besonders interessieren ihn dabei Becketts Texte.

Nach einigen kleineren Werken, hat er nun ein ganzes Theaterstück, Wort für Wort in Musik übersetzt.

„In diesen Projekten ist der Dialog auf der Partitur wörtlich übernommen, mit Tonhöhe und Rhythmus für jede Silbe des Textes. Die Musik ist zum großen Teil Programmmusik in dem Sinne, dass sie die Stimmung des Stücks, die Handlungen der Charaktere und das Setting heraufbeschwören soll.“

Die vier Sätze der Beckett – Suite sind ein großartiges Werk, das in seiner musikalischen Vielfalt und Kohärenz besticht. Elemente von Jazz, Rock und Neuer Musik sind so ineinander verwoben, dass sie eine neue Einheit bilden, komplexe Gegenwartsmusik, die in keine Schublade passt, Und natürlich funktioniert die Musik auch ohne Becketts Theaterstück als eigenständiges Werk.

Die vier Musiker sitzen am Rande der großen Stadtgartenbühne um Platz für eine große Leinwand zu geben.

Scott Fields hat mit vier FilmemacherInnen zusammengearbeitet, die zu jedem Satz seiner Suite einen Film beisteuern.

Die Filme von Hans Diernberger, Walter Solon, Elias Candolini und Kim Collmer sind sehr unterschiedlich und sind nicht direkt auf die Musik, sondern im weitesten Sinne auf Becketts Text bezogen.

Die Musik funktioniert auch ohne die Filme und die Filme stehen auch ohne die Musik für sich. Es stellt sich die Frage, ob die Filme die Musik vertiefen oder ob sie von ihr ablenken. Bei zwei Sätzen gingen Film und Musik zeitlich nicht synchron, so dass die Musiker einige Minuten warten mussten, bis der Film endet.

In Gesprächen nach dem Konzert, sagten einige ZuhörerInnen, dass sie teilweise die Augen geschlossen hatten, um sich ganz auf die Musik zu konzentrieren.

Scott Fields Beckett – Suite ist ein echtes Kleinod, dass ganz zu Unrecht etwas im Schatten des Hauptkonzerts des Abends steht, dem Auftritt der Einstürzenden Neubauten in der Philharmonie.

Wir dürfen uns darauf freuen, die Suite nicht nur live zu erleben, sondern auch bald als CD erwerben zu können. Scott Fields kündigte an, dass die Beckett – Suite auf Tonträger erscheinen soll.

www.scottfields.com/

www.achtbruecken.de

https://www.inhaltsangabe.de/beckett/warten-auf-godot/