Jazz Schmiede Düsseldorf |

Pollon mit Piano und Orgel

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 24.04.2017 | Wer das Kölner Trio Pollon kennt wundert sich, dass auf der Bühne der Jazz Schmiede Piano und Orgel stehen und kein Bass zu sehen ist. David Helm der Bassist der Gruppe sitzt in New York am Flughafen fest und bekommt keinen Flug. Der Pianist Sebastian Scobel springt für den Bassisten ein. Sebastian Scobel ist ein musikalischer Weggefährte von Theresia Philipp, der Saxophonistin und Klarinettistin von Pollon und er spielt zusammen mit dem Schlagzeuger Thomas Sauerborn in einem anderen Trio. Die menschliche und musikalische Chemie stimmt also. Alles muss schnell gehen, um 16 Uhr spielen die drei MusikerInnen, dann zum ersten Mal in dieser Besetzung zusammen, um 20.30 stehen sie vor dem Publikum.

Alle drei Musiker gehören zu den “rising stars“ der jungen Kölner Szene und so meistern sie auch diese Situation ohne Probleme. Aber natürlich ist das Trio mit Piano und Orgel und ohne Kontrabass schon ein anderes Trio als die ursprüngliche Gruppe Pollon.

Das Konzert beginnt mit dem Stück Hurdy Gurdy ein Stück von Theresia Philipp, das von der CD herb stammt. Theresia spielt hier boppige Phrasen auf dem Altsaxophon. Das nächste Stück stammt vom Schlagzeuger Thomas Sauerborn und wird mit einem Schlagzeugsolo eingeleitet. Theresia spielt Klarinette dazu. Das Trio spielt während des Konzerts gerne mehrere Stücke, die ineinander übergehen. So geht das Sauerborn Stück Stay with me über in Thin Curtain of Drops und endet mit dem Stück Lauwarm von Theresia Philipp. Es entstehen immer wieder spannende Übergänge, wenn nach einer Ballade direkt kraftvolle Saxophonphrasen folgen und Schlagzeug und Klavier energetisch mitgehen. Bei dem Stück Wirbel von Thomas Saurborn geht es mit einem Schlagzeugsolo los, Sebastian Scobel setzt dann mit den Basslinien auf der Orgel ein und mit der anderen Hand spielt er Piano dazu.

Das zweite Set beginnt mit einem waschechten Blues, der noch so neu ist, dass es noch keinen Titel dafür gibt. Nachdem Blues folgt eine Ballade, auch hier spielt Scobel die Basslinien sehr betont undTheresia Philipp setzt zarte lyrische Linien auf dem Altsaxophon dazu. Das Spiel steigert sich langsam und geht in ein energiegeladenes Triospiel über. Auch ein Standart wie How deep ist the Ocean (1932) von Irving Berlin, den schon Charly Parker und auch Miles Davis spielten, hat im Pollon Konzert seinen Platz. Im Stück Doecksaeä von Thomas Sauerborn wird ein schönes Bass (an der Orgel) Schlagzeug Duo gespielt.

Auch dieses Stück ist, wie die meisten, auf der CD herb zu finden. Auch wenn der Sound von Pollon durch die andere Instrumentierung verändert ist, so sind doch das frische Zusammenspiel, die Vielfalt an musikalischen Ideen und die spannenden Improvisationen immer noch Pollon. Natürlich fehlt denen, die die Band kennen, an manchen Stellen David Helm, aber Sebastian Scobel setzt dafür andere und neue Impulse in der Band.

Pollon spielt in der Jazz Schmiede ein Konzert mit vielen schönen Momenten.

theresiaphilipp.de/bandsprojekte/pollon/

Siehe CD Besprechung:http://nrwjazz.net/jazzreports/2016/pollonherbklaengrecords/

http://www.klaengrecords.de/de/cds/pollon-herb.html