CD-Besprechung

Philipp Brämswig Trio |

Molecular Soul

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Köln, 31.03.2017 | Philpp Brämswig ist auf vielen Festivals und in unterschiedlichen Konstellationen als Sideman aufgetreten wie z.B. mit dem Subway Jazz Orchestra, der Florian Ross Big Company, mit Ana Mai, Tobias Wember oder unlängst in der Aufnahme-Session mit DuckTapeTicket. (s. Bericht von nrwjazz).

Gemeinsam mit Florian Rynkowski am E-Bass und dem Drummer Fabian Arends hat er unlängst sein Debutalbum Molecular Soul herausgegeben. Mit dieser Veröffentlichung setzt der junge Gitarrist aus der fruchtbaren Kölner Szene mit seinen elf Eigenkompositionen eine beachtliche Marke, eine CD mit einer stilistischen Vielfalt von balladesken Formen und fetzigen Jazz-Rock-Fusion-Nummern.

Bei Debutalben ist man geneigt, Vorbilder und orientierende Fixpunkte zu suchen. Bei Philipp Brämswig sind dies zweifellos u.a. Pat Metheny, John Scofield und Wayne Kratz. Der Einfluss von Letzterem ist bereits in dem Opener Spinning Spade mit seinen Läufen und Akkorden mit leichtem Distortion-Effekt, einer zupackenden und virtuosen Jazz-Rock-Idiomatik, deutlich erkennbar.

Prisma beginnt zunächst mit einem unbegleiteten „Höhenflug“ von Philipp Brämswig, entwickelt sich mit Bass und Drums zu einem zupackend-lyrischen 6/8-Stück, mit einem Bass-Solo im Stile von Jaco Pastorius. Philipp Brämswig bringt dabei mit seinem 6-Saiter immer neue Wendungen in sein Spiel.

Intro To ist ein – wieder Titel nahelegt – Intro zu dem nächsten Track, ein langsames Schwelgen in effektbetonten Klangsphären, eine stimmungsvolle Einleitung zu Anger Management. Das längste Stück der CD mit über acht Minuten beginnt in der Stilistik von fetzig-dynamischer Fusionmusik, die in Metheny-artige Klangreisen mit virtuoser Gitarre und Trance-Zuständen übergeht, um zum rockigen Ursprung zurückzukehren.

In Against All Odds halten Gitarre und Bass eine relaxte und subtile Zwiesprache, ihr Spiel erinnert stark an Pastorius’ und Methenys Interplay etwa auf dem Album Bright Size Life. Zur Akustikgitarre greift Philipp Brämswig in dem ebenfalls ruhigen balladesken Herzen in Aspik. Eher heiter und ausgelassen wirkt

Entree, Liar Tin ist in zart-rockigen Farbtönen gehalten. Es handelt sich um ein stark vorwärtstreibendes Stück, das dem Gitarristen und dem Bassisten überzeugende Solo-Ausflüge ermöglicht. Der Titel Molecular Soul enthält im Mittelstück sphärische Ausflüge und findet zu seinem fließenden Gesamtsound zurück. Die Ballade The Day I Found You basiert auf einem Spiel des Gitarristen mit Arpeggien und entwickelt damit eine gewisse Sogwirkung. In Fossil Fuel läuft das Trio noch einmal zu einer dynamisch-explosiven Hochform auf. Philipp Brämswigs Gitarre nimmt den Zuhörer mit zu einer Schnellfinger-Reise.

Die Spieler des Kölner Trios sind auf der CD perfekt aufeinander eingestimmt.

Philpp Brämswig erweist sich als ein technisch ausgesprochen versierter und stilsicherer Gitarrist und einfallsreicher Komponist. Von diesem talentierten Musiker wird man noch hören.

Das Trio steht übrigens im Finale des Neuen Deutschen Jazzpreises in Mannheim am 08.04.2017, wir drücken die Daumen!

Philipp Brämswig Trio: Molecular Soul. UTR 4692