Next Level Jazz |

Paul Heller invites Biréli Lagrène

Text & Fotos: Ingo Marmulla

Köln, 15.02.2017 | Der Saal des Kölner Stadtgartens ist prall gefüllt, der Gastgeber der Reihe „Next Level Jazz“, der WDR-Bigband-Saxophonist Paul Heller, empfängt die Gäste des heutigen Abends: Martin Gjakonovski am Bass, Hans Dekker (sein WDR-Bigband-Kollege) am Schlagzeug und natürlich Biréli Lagrène, der Star an der Gitarre. Letzterer wurde vom anwesenden Publikum mit Spannung erwartet. Ein Gitarrist, der als Wunderkind auf seinem Instrument zunächst auf den Pfaden von Django Reinhardt wandelte, der sich aber weiter entwickelt hat und heute mit seinem Spiel Maßstäbe auf seinem Instrument setzt.

Ohne die Titel anzukündigen, legt das Quartett los. Es erklingt „Autumn Leaves“, wie alle folgenden Stücke ein gängiger Standard des Jazzrepertoires. Der Set beginnt kraftvoll und energiegeladen. Das erste Solo ist für Lagrène bestimmt. Während dieser sehr entspannt und eher zurückhaltend mit einem Akkordsolo beginnt, übernimmt Heller mit überschäumender Spielfreude und lotet die Grenzen des Stückes aus. Es wird schnell klar, heute werden Standards gespielt, die alle Anwesenden kennen, aber selten auf diesem Niveau live erleben dürfen: „There is no greater Love“, „St. Thomas“, „Lover Man“ ... Während Gitarre und Sax sich gegenseitig anfeuernd ausdauernd und technisch brilliant improvisieren, legen Gjakonovski am Bass und Dekker das harmonische und rhythmische Fundament. Besonders letzterer überzeugt in seinen Soli beim Kölner Publikum.

Heller und Lagrène bilden ein kongeniales Paar. Wie mag die Stückeauswahl erfolgt sein? Wurde überhaupt geprobt? Das überzeugende Zusammenspiel basiert auf der spontanen ideenreichen Kommunikation und der Bereitschaft, auf thematische Impulse zu reagieren. Heller darf man zu Recht als einen der hervorragendsten Vertreter seiner Generation auf dem Tenor bezeichnen, modern, power-geladen, technisch überzeugend in schnellsten Tempi. Lagrène lässt sich von Hellers Tempi jedoch nicht beeindrucken und stellt gelassen sein eigenes Spielkonzept vor. Mal spielt er mit dem Plektrum schnelle Melodielinien, mal lässt er die Gitarre sanft erklingen und erinnert so mit seiner Daumenspielweise an Wes Montgomery. Flageolett-Töne, Arpeggien, impressionistisch angehauchte Akkordfolgen, Blues- und Funkzitate – das ganze Spektrum aktueller Ausdrucksmöglichkeiten beherrscht er souverän. Sein musikantisches Spiel ist zudem immer durchzogen von „humoristischen“ Musikzitaten.

Nach der Pause beginnt Lagrène solo mit einer Gitarrenfantasie. Hier zeigt er sein ganzes Können. Allein von Django Reinhard ist nur noch wenig zu verspüren. Man merkt, Lagrène hat sich stilistisch freigeschwommen.

Der Abend endet mit Rollins’ „Oleo“ , gespielt in einem irrwitzigen Tempo. Die Komposition, zunächst thematisch vorgetragen nur von Gitarre und Sax, anschließend durch die Rhythmusgruppe ergänzt, setzt durch die Improvisationskunst aller Beteiligten zu einem Höhenflug an, der das Publikum zu Ovationen hinreißt. Ohne Zugabe darf der Abend nicht zu Ende gehen.

Der nächste Termin der Reihe „Next Level Jazz“:

12.3.17 – Paul Heller invites Richie Beirach & Adam Nussbaum