Festivals in NRW

Und es machte wieder PENG !|

Frauen-Jazz und mehr im Maschinenhaus

Text: Ingo Marmulla | Fotos: Ingo Marmulla, Stefan Pieper

Essen, 25.03.2017 | Sieben Jazzmusikerinnen (Barbara Barth, Marie Daniels, Rosa Kremp, Maika Küster, Mara Minjoli, Johanna Schneider und Christina Schamei) haben sich das Ziel gesetzt, die Jazzaktivitäten der Frauen zu stärken. Das PENG-Festival ist dabei der Katalysator und fand in diesem Jahr wiederholt statt. Ich hatte Gelegenheit, ein kurzes Gespräch vor Beginn des Festivals mit Barbara Barth und Mara Minjoli zu führen, die mir noch einmal dezidiert ihre Ziele von Peng! und dem daraus resultierenden Festival erläuterten:

Wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen sind Frauen immer noch unterrepräsentiert oder erhalten im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen zu wenig Aufmerksamkeit. Zwar gab es im Jazz immer schon weibliche „Stars“, allerdings waren diese meistens Sängerinnen. Wie in der Klassik so auch im Jazz habe sich da schon so manches geändert (man könnte mittlerweile viel Instrumentalistinnen nennen ...), dennoch ist das Verhältnis bei Leibe nicht ausgeglichen. SchülerInnen machen die besseren Schulabschlüsse, sind auch musisch viel aktiver als Jungen, von denen das Musizieren während der Schulzeit als häufig als unmännlich abgetan wird, dennoch ist der Anteil der männlichen Akteure später in der Musik dominierend. Das schlage sich auch in den Zahlen der Studierenden an der Folkwang Hochschule nieder, die im übrigen alle Beteiligten gemeinsam besucht haben. Man wolle mit dem Festival beweisen, dass es auch anders geht. Alle sieben InitiatorInnen bringen sich entsprechend musikalisch oder organisatorisch mit voller Kraft ein, sei es im Kartenverkauf, der Bandbetreuung, der Präsentation oder in sonstigen Aufgabenbereichen.

Den Damen gebührt mein Respekt. Dieses „Frauen“-Jazzfestival bietet eine bunte Mischung unterschiedlicher Stilrichtungen des modernen Jazz mit lokalen Bandleaderinnen und überregionalen Größen. Heute auf dem Programm: das Christina Schamei Quintett, „Swoosh“ mit der Sängerin Rosa Kremp und als „Star“ Monika Roscher aus München mit ihren Kompositionen für Big Band.

PENG! – Wir lassen es wieder knallen! – So das Motto des diesjährigen Festivals. Und die Zuschauer lassen nicht lange auf sich warten, um an dem Ereignis an diesem atmosphärisch unverwechselbaren Ort, dem historischen Maschinenhaus der Zeche Carl, teilzuhaben. Man kann ein Getränk zu sich nehmen, sieht und hört gut von den aufgebauten Sitzreihen.

Den Peng-Auftakt macht das Christina Schamei Quintett. Wie alle Bands heute Abend spielt die Gruppe ausschließlich Eigenkompositionen. Die Themen werden meist von Schamei’s Stimme und dem Tenor vorgetragen. Beginnend häufig mit akkordischen Intros geht es über zu rhythmisch und melodisch komplexeren Themen, häufig auch in anspruchsvolleren Taktarten. Die Stimme erweist sich hier als überzeugendes und mehr als gleichwertiges Instrumentarium. Die vier MitmusikerInnen sind Benedikt Koch am Saxophon, Caris Hermes am Kontrabass, Niklas Walter am Schlagzeug und Simon Seeberger am Klavier, allesamt gute Begleiter und souveräne Solisten. Nach einem kräftigen Applaus geht es in die erste Umbaupause und zum Smalltalk.

Ein mehr elektrischer Klang erwartete die Zuschauer mit Swoosh: Rosa Kremp (Gesang), Johannes Still (Klavier), Philipp Humburg (Gitarre), Marcus Gulich (Bass), Christoph Helm (Schlagzeug). Die Musik ist eher groovy, rockig, ohne stereotyp auf standardisierte Funkpatterns zurück zu greifen, die Stücke sind eigenständig, auf den Gesang zentriert, gelegentlich durch Improvisationen von Gitarre und Keyboard aufgelockert, immer authentisch. Musik mit Anspruch!

Nach einer weiteren längeren Umbaupause (Klavierstimmung inklusive) wurde die „Echo“-Preisträgerin Monika Roscher präsentiert. Sie hatte anstelle ihrer eigenen Band hier das Folkwang Jazz Orchestra im Rücken, mit dem sie eigens für das Festival das Programm erarbeitet hatte. Ja, die Sängerin und Bandleaderin überzeugte! Die „Bigband“-Klänge, teilweise recht eklektisch zusammengesetzt, waren nicht wirklich neu, aber die forsche, quirlige und natürliche Bühnenpräsenz brachte ihre Kompositionen kraftvoll ‘rüber. Da passte selbst ein punkiges Gitarrensolo auf ihrer Strat, dass so manch einem Jazzfan ein Schmunzeln abrang, gut ins Konzept, weil die Gesamt-Performance stimmig war. Vielleicht ist man im Alter von Roscher eben noch viel unvoreingenommener, hat noch nicht so viel Respekt vor den Arrangements eines Gil Evans oder einer Maria Schneider, und kann so jugendliche, unkonventionelle, kraftvolle Musikakzente setzen ...

Für mich war dieser Abend eine gelungene erste Festivalhälfte. Das zahlreiche Publikum, mich eingeschlossen, darf sich schon auf das nächste Jahr freuen, wenn es hoffentlich erneut PENG! macht.