CD-Rezension

Lacy Pool 2 |

Anverwandlung durch Wandel

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 21.12.2017 | Aus dem „Lacy-Pool“ schöpft das Trio mit dem Pianisten Uwe Oberg, dem Klarinettisten Rudi Mahall und dem Drummer Michael Griener in ihrem neuen Album Lacy Pool_2, insgesamt sieben Titel des wohl bedeutendsten Sopran-Saxophonisten (und Komponisten) des modernen Jazz - und zwei Eigenkompositionen von Uwe Oberg – verarbeiten die drei Musiker. Nein, sie machen dies nicht in konservatorischer Absicht mit gewisser Retro-Perspektive, die das Vorbild möglichst originalgetreu zu imitieren versuchte. Im Gegenteil, Neu-Interpretation ist angesagt, ein Spiel und Spielen mit dem Ausgangsmaterial. Schon die Besetzung ohne das für Lacy kennzeichnende Sopran-Saxophon unterstreicht die Absicht der Anverwandlung durch Wandel, der Übersetzung des spezifischen eleganten und modulationsfähigen Lacy-Sounds und der gesamten musikalischen Konstruktion in seiner Strenge und eigentümlichen Schönheit in den Kosmos eines bass-freien Klaviertrios.

Deadline beginnt mit einer an Monk gemahnenden Phrase, die nach mehreren Wiederholungen in eine Uptempo-Sequenz überwechselt. Das Piano improvisiert über Walking-Bass-Linien der linken Hand – ähnlich wie in Blues for Aida mit seinem expressiven Solo von Rudi Mahall. Auch dem Motiv von Clichés hört man deutlich den Monk’schen Einfluss an, repetitive Elemente liegen über einem vertrackten Rhythmus. Das schroff-albern wirkende Trickles klingt wie eine akustische Kasperliade. Der Titel Ladies besteht aus leicht modulierten Wiederholungen eines Motivs auf unterschiedlichen Tonstufen. Während Dreams einen ruhig-besinnlichen Charakter aufweist, endet das Album mit dem Titel Troubles mit einer rhythmisch akzentuierten Beschwingtheit, die an Muster des traditionellen Jazz erinnert.

Die beiden Eigenkompositionen von Uwe Oberg bleiben stark im musikalischen Duktus von Monk und Lacy: In Field (Spring) suggerieren verrätselte Akkorde und Läufe auf dem Piano und hohe Dauertöne der Klarinette eine gewisse Wellenbewegung, Jazz ab 40 ist ein sehr dynamisches Stück, Oberg spielt mit kräftigen Blockakkorden, Rudi Mahall bläst darüber mit durchsetzungsfähiger und virtuoser Bassklarinette zu pulsierender Arbeit von Michael Griener an den Drums.

Das Album Lacy Pool_2 stellt eine gelungene Anverwandlung des Monk-Lacy-Klangkosmos’ in einer überzeugenden Trio-Leistung dar, die frei ist von dekonstruktivistischer Attitüde, die vielmehr die Ästhetik des scheinbar Beiläufigen und Aphoristischen von Monk über Lacy in eine eigene Sprache übersetzt. Die Kunst der Reduktion und der leicht modulierten Wiederholung – ein bestimmendes Wesensmerkmal der Musik von Monk und Lacy - bleibt dabei unangetastet.

Von Uwe Oberg bedeutet Lacy Pool_2 das zweite herausragende Album (s. Rezension der Duo-CD Sweet Reason mit Heinz Sauer) in diesem Jahr – keine schlechte Bilanz.

Uwe Oberg, Rudi Mahall, Michael Griener: Lacy Pool_2. Leo Records 2017. LR 792