​Vereinte Sprachen |

Maxime Benders „Universal Sky“ auf der Burg Lüttinghof

Text: Stefan Pieper | Fotos: Stefan Pieper

Gelsenkirchen, 28.01.2017 | Sehr symmetrisch agiert diese Band im alten Saal der Wasserburg Lüttinghof: Im Zentrum steht der luxemburgische Saxofonist Maxime Bender, hinter ihm der Schlagzeuger Jérome Klein. Links und rechts agieren zwei bemerkenswerte „Sidemen“ - die haben aber in den kommenden zwei Stunden musikalisch viel zu viel zu sagen, als dass sie sich mit einer „Randexistenz“ zufrieden geben müssten. Aus Frankreich kommt der Hammondorgel-Spieler Jean-Ives Jung - auf der anderen Seite zupft der Ukrainer Vitaly Zolotov die Saiten und bedient die Effektgeräte. Zolotov lebt in Köln, was ja nicht weit entfernt ist vom kleinen, aber feinen Musikland Luxemburg. Maxime Bender ist ja auch ständig mit NRWs Jazzszene auf enger Tuchfühlung.

Das sind beste Voraussetzungen für die Vereinigung der individuellen musikalischen Sprachen, die in diesem Quartett miteinander eins werden – und darum geht es ja im Jazz. Los geht es mit leichtfüßigen, gut abgehangenen Modern Jazz Idiomen, aber es wird phasenweise auch deutlich mehr Druck gemacht, wenn die Band richtig loslässt, ausgiebig soliert und sich im besten Sinne „frei spielt“. Vielgestaltige Möglichkeiten loten alle Beteiligten ständig miteinander aus. Über weite Strecken dominieren hier die freundlichen, melodiösen Farbtöne. Der Franzose Jean-Ives Jung lässt im kultivierten Ideenfluss die Töne und Skalen aus der Hammondorgel fluten – während er auf dem unteren Manual die Basslines dezent ins Grooven versetzt. Der Schlagzeuger trommelt mit federleichtem Gespür fürs Detail im richtigen Moment.

Es war eine gute Entscheidung, in der offenen Raumakustik dieses Saales das Drumset aufs Wesentliche zu reduzieren – und außerdem mal die Drums in der Mitte aufzustellen! Puren Enthusiasmus in jeder Sekunde verströmt derweil Gitarrist Vitaly Zolotov – ebenso, wie er viele Soundvarianten und harmonische Geniestreiche im rechten Moment beisteuert. Im Zentrum steht immer wieder das flammende emotionale Spiel auf Sopran und Tenorsax des luxemburgischen Bandleaders. Oft übt er sich in nobler Zurückhaltung, um seinen Mitstreitern allen Raum zu geben.

Überhaupt steht maximale Gleichberechtigung auf der Agenda – aber wenn, dann schaltet Maxime Bender sich mit Statements voller Strahlkraft und Wärme ein. So etwas taugt dann auch mal für eine sensible Coverversion eines Indiepop-Songs aus der Feder von Bon Iver.

Luxemburg ist ein kleines Land – aber die Musikszene vor allem in der Hauptstadt steht groß da! Davon zeugen solch hochkarätige Kulturexporte wie Maxime Benders aktuelle Band, die sich idealtypisch länder- und szenenübergreifend gibt. Die luxemburgische Regierung tut durch großzügige Exportförderungen sehr viel, dass das immense künstlerische Potenzial ins Ausland dringt und entdeckbar wird ….