Jazz trifft auf Wissenschaft trifft auf Jazz |

Matthew Halpin im Haus der Universität

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 10.02.2017 | Der aus Dublin stammende Saxophonist Matthew Halpin ist Gastmusiker in der Reihe: "Jazz trifft auf Wissenschaft", eine Kooperation der Jazz Schmiede Düsseldorf und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Eine `Hausband`, bestehend aus Oliver Lutz am Bass, Sebastian Sternal am Piano und Peter Weiss am Schlagzeug, lädt zu jeder Veranstaltung einen Gastmusiker ein.

Die Band um Peter Weiss, den die Zeitschrift Jazzthing zu recht eine “European Jazzlegend“ nennt, spielt Jazzstandarts quer durch die Jazzgeschichte. Der erste Song ist Rhythm-a-Ning von Thelonious Monk. Das Stück stammt aus einer Zusammenarbeit im Jahre 1957 von Monk mit dem Saxophonisten Gerry Mulligan (Mulligan meets Monk). Eine Nummer, wie geschaffen, für den Tenorsaxophonisten Matthew Halpin, um sein herausragendes Spiel zu zeigen. Sein warmer Sound und seine Virtousität zeichnen auch die weiteren Stücke aus. Besonders in der Ballade von Hoagy Carmichael Skylark (1941) zeigt Matthew Halpin sein gefühlvolles Spiel. Peter Weiss, der seit Jahrzehnten mit dem Saxophonisten Wolfgang Engstfeld zusammenarbeitet, zeigt seine Freude und Begeisterung über das Spiel des jungen Halpin, der trotz seiner 26 Jahre, bereits einen reifen Sound hat.

Nach den 40er und 50er Jahren kommt dann modern Jazz von Joe Lavano Eternal Joy.

Nach diesem ersten Set folgt dann ein Vortrag von Prof. Dr. André Beauducel, Professor für Psychologische Methodenlehre, Diagnostik und Evualation, mit dem Titel: Psychologische Skizzen zum Jazz: Was charakterisiert den Jazz und wie hängen Charakteristika des Jazz mit Persönlichkeitseigenschaften zusammen?

In seinem Vortrag stellt er einige Fakten aus Erhebungen zum Thema Jazz und Persönlichkeitseigenschaften vor und setzt dies gegen Auslassungen von Adorno zum Jazz.

Das ganze wird kurzweilig und mit Humor vorgetragen, frei von Wissenschafts Chinesisch.

Adornos abfällige Thesen zum Jazz aus dem Jahre 1936 werden mit konkretem Befragungsdaten konfrontiert. So sieht Adorno bei Jazzern eine „neurotische Schwäche“ und eine Nähe zur Militärmusik, die besonders begünstigend für den Faschismus sei.

In den Befragungen dagegen wird deutlich, dass Jazz einen positiven Zusammenhang mit Offenheit hat, mit politischer Liberalität und eher einen negativen Bezug zu Konservatismus hat. Jazz steht in einer Gruppe mit Klassik und Blues im Bereich „reflexiv komplexer Musik“.

Als Professor für Psychologische Methodenlehre kommt Prof. Beauducel zu dem Schluss, dass seitenlange theoretische Reflektionen, wie die von Adorno, manchmal durch einfache Befragungen negiert werden können.

Nach dem Vortrag spielt die Jazzband ein zweites Set, wieder beginnend mit einem Standart von Thelonious Monk Ask me Now (1951). Danach wird es wieder moderner mit Paul Motions Komposition Monika`s Garden (1991) und mit dem Stück Lichtspielhaus von Sebastian Sternal. Auch im zweiten Set wird das herausragende Spiel von Matthew Halpin deutlich. Die hochkarätige Hausband mit beeindruckenden Improvisionen von Sebastian Sternal am Piano und einer Rhythmusgruppe mit Peter Weiss und Oliver Lutz, gibt dem Solisten Raum, schafft eine solide Basis und bringt eigene Impulse ein.

Über 150 ZuhörerInnen erlebten im Haus der Universität einen kurzweiligen Abend, mit hervorragenden Musikern.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe Jazz trifft auf Wissenschaft findet am Mo 10. 04. 2017, 19:30 Uhr im Haus der Universität, Düsseldorf, Schadowplatz 14 statt. Der Eintritt ist frei.

Gastmusiker ist Frederik Köster, Trompete. Vortragender: Professor Dr. Daniel Martin Feige Professor für Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

www.hdu.hhu.de/programm.html

https://www.jazz-schmiede.de/veranstaltungen/

Aktuelles zur Veranstaltung:

Jazz-Umfrage der Universität Bonn

Im Rahmen der Reihe »Wissenschaft trifft auf Jazz trifft auf Wissenschaft« bittet die Universität Bonn um Ihre Unterstützung: Unter folgendem Link finden Sie eine kurze Umfrage zum Thema »Musikpräferenzen und Persönlichkeit«:

https://goo.gl/7JOELW