CD-Rezension

Konzert für Hannes |

Kongeniale Hommage eines vitalen Posaunen-Trios

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Köln, 07.09.2017 | Ein Posaunen-Trio der besonderen Art präsentiert die gerade erschienene CD ‚Konzert für Hannes’: Der Titel verweist auf den Widmungscharakter des Albums: Es handelt sich um eine musikalische Verbeugung vor dem Posaunisten Johannes („Hannes“) Bauer. Mit diesem war ursprünglich ein Quartett-Konzert im Kölner Stadtgarten geplant. Dass Johannes Bauer genau am Tag der Konzertaufnahme am 06.05.2016 verstarb, gehört zu den denkwürdigen Zufällen, die das Leben so spielt.

Der US-Amerikaner Jeb Bishop, Matthias Müller - Absolvent der Folkwang Hochschule in Essen und jetzt in Berlin lebend -, und der Kölner Musiker, Kurator und Medienkünstler Matthias Muche sind umtriebige Vertreter der Improvisationsszene, Letzterer war unlängst in einem Konzert in der Reihe Soundtrip NRW zu erleben (s. nrwjazz-Review) Die drei Posaunisten von Konzert für Hannes haben in unterschiedlichen Konstellationen miteinander und mit Johannes Bauer konzertiert. Die Methode ihrer Duo-Bezeichnungen mit den jeweiligen Initialen ihrer Namen (MM2 Session oder JB2) macht darauf aufmerksam, diese wollten sie auch auf das besagte Konzert im Stadtgarten als Quartett anwenden (MM2 + JB2). Der Auftritt als Trio demonstriert, dass hier drei Brüder im Geiste der Improvisationsmusik agieren, bei dem der vierte Abwesende spürbar anwesend ist.

Die Titel der insgesamt sechs Tracks geben schlicht die zeitliche Länge an: 7:39 beginnt mit bloßen Atemgeräuschen, aus denen sich allmählich ein Blas-Trio-Satz mit auf- und absteigenden Linien herausschält. Ein kecker Monolog entwickelt sich zu einem Zwiegespräch, mit lautem Atem-Groove unterlegt. Schlussendlich trifft man sich zu einem mehrstimmigen Bläsersatz. Der nächste Track, 06:06, beginnt als Palaver von scheinbar drei aneinander vorbeiredenden Stimmen, jede behauptet selbstbewusst ihr Recht für sich. Allmählich verliert sich dabei die Energie, das Geplapper mutiert zu Bienenstock-Geräuschen, die von einer übermütigen Stimme begleitet werden. Am Ende findet man zu einer ostinaten Trio-Figur zurück. Auch die anderen Stücke des Albums folgen ähnlichen Mustern: Die drei Posaunisten entwickeln köstliche Trialoge, die in weiten Teilen aus einem Soundgeflecht aus Geplapper, Geschnatter, Geschwätz, aus Pumpen, Palavern, Prusten bestehen. Eingebettet in diese Klanggewebe werden polyphon vertrackte Bläsersätze. Die instrumententypischen Modulationsmöglichkeiten kommen variantenreich zum Einsatz: Glissandi, Spiel mit Dynamik, resonanzfreie Zungentechniken und Atemgeräusche, gepaart mit Shouts und Schrei-Lauten. All dies folgt kaum einer rhythmischen Struktur, das Trio orientiert sich nicht vornehmlich am Groove, Im Vordergrund stehen vielmehr Soundeffekte, steht eine durchaus humorvolle Interaktion voller klanglicher und spielerischer Überraschungen – ein offenes Spiel, ganz im Geist von Johannes Bauer.

Jeb Bishop, Matthias Müller, Matthias Muche: Konzert für Hannes. MW961-2, ZAIKS/BIEM 2017