Klaeng//Die Serie#9 |

Johannes Enders & Günther `Baby` Sommer + Zoom Trio

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 18.02.2017 | Das Kölner Klaeng Kollektiv kuratiert seit 2015 die Veranstaltungsreihe Klaeng – Die Serie. Auch auf der neunten Veranstaltung gibt es wieder großartige Musik zu hören.

Enders & Sommer

Zwei Musiker aus unterschiedlichen Generationen mit unterschiedlichem musikalischem Hintergrund. Gemeinsam ist beiden ihr Nonkonformismus und ihre Individualität.

Günther `Baby` Sommer kommt aus der DDR Free Jazz Szene und ist ein Urgestein des deutschen und europäischen Jazz.

Johannes Enders kommt aus Bayern und hat mit Micha und Markus Acher von The Notwist in Indie Bands zusammengespielt. Er hat mit Rebecca Bakken, Wolfgang Haffner und Jo Kraus elektronischen Jazz im Stil von Wesseltoft gemacht. Enders lässt sich vom Free Jazzer Dewey Redman inspirieren, dessen freier anarchistischer Geist ist für ihn ein subversiver Gegenpol zur Kommerzialisierung des Jazz. Für Enders wie für Sommer hat Jazz auch immer eine gesellschaftliche Relevanz.

Auftritte von Günther `Baby` Sommer sind immer eine Performance mit großen Gesten und einem gehörigem Schuss Humor.

Sommer ist bei aller Fantasie ungemein strukturiert und entwickelt in seinem Spiel ein klares rhythmisches Fundament. Sein Schlagzeug ist um Pauken und Bongos erweitert und er setzt auch mal eine Trillerpfeife ein. Bei aller Theatralik, steht immer sein temperamentvolles Spiel im Mittelpunkt, er gleitet niemals in Klamauk ab.

Über Günter Sommers Rhythmus spielt Johannes Enders verspielte Saxophon Linien, umkreist den Beat und findet dann wieder zum Puls zurück. Die beiden Musiker stehen im Dialog miteinander.

Enders spielt Tenor - und Sopransaxophon, an einigen Stellen, auch in der Tradition von Rahsaan Roland Kirk, beide Instrumente gleichzeitig.

Enders und Sommer erzählen mit ihrer Musik Geschichten voller Leben und Poesie. Fast alle Stücke stammen aus der aktuellen CD Sources, der zweiten gemeinsamen CD des Duo Enders & Sommer.

Zoom Trio

Das Zoom Trio sind Christian Lorenzen (Wurlitzer E-Piano, Analog Synthesizer), David Helm (Kontrabass) und Dominik Mahnig (Schlagzeug, elekt. Effekte).

Drei Musiker der jüngeren Szene, die sich alle bereits einen Namen gemacht haben, gehen mit dem Zoom Trio neue Wege. Sie arbeiten mit Improvisationen und notierter Musik. Elektronische Piano- und Synthieklänge treffen auf akustischen Bass und Schlagzeug. Wilde noisige Passagen wechseln mit fragilen Soundelementen. David Helm streicht den Bass und geht in einen Dialog mit Piano und Synthesizer. Dominik Mahnig begleitet zurückhaltend, dann wird Christian Lorenzen schneller, Mahnig wird lauter und David Helm hält mit. Das ganze steigert sich immer mehr, der Energielevel wird gehalten und geht dann in eine kleine Melodie des Keyboards über, die nach einiger Zeit immer intensiver wird und es entsteht ein psychedelischer Sound. Das sind die starken Seiten des Trios, viele Ideen, langsame Entwicklungen, wilder Noise. An einigen Stellen der elektronischen Effekte von Dominik Mahnig gab es ein paar Längen. Aber das gehört auch zur Improvisation, wenn alles glatt läuft ist es auch langweilig. Drei Musiker, die aus dem Jazz kommen, keine ausgetretenen Pfade gehen und keine Scheu haben neue Dinge auszuprobieren. Kreative Musik im Grenzbereich von Jazz, Elektronik, No Wave und Impro.

Auch das Zoom Trio hat eine CD im Gepäck: What`s For Dessert.

Weitere Infos und Konzerttermine:

http://www.babysommer.com/navi/navi.htm

www.johannes-enders.com/

http://zooom-trio.de/