Klaeng - die Serie # 12 |

Dieter Manderscheid Solo/Jason Seizer Quartett

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 23.12.2017 | Das letzte Jazzkonzert 2017 im Stadtgarten wird vom Klaengkollektiv ausgerichtet.Der Bassist Dieter Manderscheid und das Jason Seizer Quartett stehen auf dem Programm bei Klaeng – die Serie # 12.

Dieter Manderscheid ist Professor an der Musikhochschule in Köln und einer der profiliertesten Bassisten im Bereich Jazz und Neue Musik. Vor 14 Jahren hat er sein letztes Solokonzert im Stadtgarten gespielt. Nun ist es den Musikern von Klaeng, vor allem dem Bass Kollegen Robert Landfermann, gelungen ihn für ein Solokonzert zu gewinnen. Es brauchte schon etwas Überzeugungsarbeit, denn Dieter Manderscheid spielt lieber mit anderen Musikern zusammen, von denen er Impulse bekommt und selbst welche gibt. Dieter Manderscheid Solo zu erleben ist schon ein besonderes Erlebnis. So sind auch viele Schüler und Weggefährten im Publikum.

Sein Programm umfasst einen Querschnitt durch die Gegenwartsmusik von Jazz bis Neuer Musik. Am Anfang stehen einige getragene Stücke, die ihn an einen verstorbenen Kollegen erinnern. Er spielt das melancholische katalanische Weihnachtslied El Cant Dels Ocells (Das Lied der Vögel), das der Cellist Pablo Casals bekannt machte. „Das Lied ist in typischer Jazz Piraterie bearbeitet und mit Improvisationen versehen worden.“

Ein anderes Stück stammt von dem italienischen Bassisten Stefano Scodanibbio, der lange mit Luigi Nono und Terry Riley arbeitete und regelmäßig mit Markus Stockhausen und Rohan de Saran zusammen spielte. Manderscheid, lässt dabei auch Charles Mingus einfließen. Dann spielt er etwas aus seiner Zeit mit Thomas Heberer: The XX Meter Decoder“ (1994) aus dem Album Third Degree. Ein sehr schönes Lied stammt aus dem Folksong Zyklus des italienischen Komponisten Luciano Berio: I Wonder As I Wander.

Andere Stücke sind von Barre Phillips und Dave Holland inspiriert, von denen Manderscheid sehr beeinflusst ist. Anfang des nächsten Jahres wird eine Duo CD mit dem Pianisten Sebastian Sternal erscheinen, aus diesem Album spielte er das Stück Prayer. Der Jazzstandart That`s All von 1952 war die Zugabe. Das Lied wurde von Nat King Cole und Bobby Darin berühmt gemacht. Ein reichhaltiges und vielfältiges Solo Programm von einem herausragenden Bassisten. Natürlich hatte Dieter Manderscheid kein einziges Notenblatt auf der Bühne. Einfach großartig. Bleibt zu hoffen, dass wir bis zum nächsten Solokonzert nicht14 Jahr warten müssen.

Den zweiten Teil des Abends gestalten das Jason Seizer Quartett mit Pablo Held am Piano, Jonas Westergaard am Bass, Fabian Arends am Schlagzeug und Jason Seizer am Saxophon.

Jason Seizer ist der künstlerische Leiter des Pirouet Labels. Er hat mit seinem Quartett eine neue CD veröffentlicht: Cinema Paradiso. Und wie der Namen erahnen lässt, es geht um Filmmusik. Neben Musik aus Cinema Paradiso spielt das Quartett Musik aus verschiedenen Filmen, von Jason Seizer bearbeitet, wie das Liebesthema aus Spartacus oder die Cavatina von Stanley Myers aus dem Film Deerhunter. Das Jason Seizer Quartett spielt ohne Pausen und folglich ohne Ansagen, die Stücke gehen ineinander über. Neben dem Saxophonisten Jason Seizer kommt besonders Pablo Held zum Zug, der viele schöne Passagen spielt, bei denen man sich zurücklehnen und sein Kopfkino laufen lassen kann. Aber auch Fabian Arends und Jonas Westergaard steuern neben ihrer kreativen Rhythmusarbeit ihre Soli zum Gruppensound bei.