Klaeng Serie # 11- Wildern und Salomea |

Jazzgesang mit Grenzverletzung

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 21.09.2017 | Im Mittelpunkt der Klaeng Serie Nr. 11 im Kölner Stadtgarten steht die Stimme. Sänger Tobias Christl mit der Band Wildern und die Gruppe Salomea um die Sängerin Rebecca Salomea sind die Gäste des Abends.

Bei der Band Wildern steht der Name für Wildern im Fundus der modernen Popmusik. Die Band wählt Songs aus, die nicht mehr so häufig gespielt werden und gibt ihnen eine ganz eigene Fassung aus Jazz, Rock und Pop. Tobias Christl, ein Ausnahmesänger in der Jazzszene, setzt bei Bedarf auch elektronische Elemente ein. Die Stücke des Abends sind fast alle neu und werden bald als CD bei Klaeng Records erscheinen.

Das ersten beiden Stücke sind Adaptionen aus den 80ern, der Genesis Hit Land Of Confusion, gefolgt von dem Song Eye Of The Tiger der Band Survivor.

Besonders herausragend ist die Verarbeitung des Lennon Songs I Want You (She`s So Heavy) aus dem letzten Album der Beatles Let It Be. Mit dem Song beteuerte John Lennon seine Liebe zu Yoko Ono. Tobias Christl gelingt eine solche Intensität bei dem Song, als ob er seine eigene Liebe beschwört. Der immer wiederholte Satz I want you so bad, you driving me mad wird von Tobias immer wieder neu variiert. Einmal klingt er wie John Lennon, dann geht er mit der Tonhöhe herauf, ein anderes Mal schreit er fast. Unterstützt wird er dabei von Tobias Hoffmanns rockiger Gitarre und dem treibenden Beat von Matthias Novak am Bass und Daniel Schröteler am Schlagzeug.

Peter Ehwald am Saxophon gibt den Songs mit seinen Soli manchmal einen wilden Far Out Touch oder einen Schuss Soul. Das letztere besonders bei den Coverstücken von Sam Cooke, Prince und MC Hammer. Zu diesen Stücken holt sich Tobias Christl Unterstützung von den vier Frauen der A-Capella Gruppe Of Cabbages And Kings. Veronika Morscher, Sabeth Perez, Rebecca Salomea und Laura Totenhagen unterlegen die Songs mit ihrem Humming Choir.

Großartig, so hat man Under The Cherry Moon von Prince noch nie gehört. Beim letzten Stück Overcome von Laura Mvula, das von Veronika Morscher arrangiert ist, zeigen die vier Frauen, das sie weit mehr sind als ein Hintergrundchor.

Die tollen Stimmen und die hervorragenden Instrumentalisten lassen das Publikum altbekannte Songs ganz neu erleben. Schon immr wurde in der Geschichte des Jazz populäres Songmaterial aufgegriffen und verjazzt. Tobias Christl und Wildern setzen diese Jazztradition zeitgemäß fort, ohne sich durch enge Genregrenzen einschränken zu lassen.

Das gilt auch für die zweite Band des Abends – Salomea, benannt nach dem Namen der deutsch-amerikanischen Sängerin, Komponistin und Texterin Rebecca Salomea, die auch bei Of Cabbages and Kings mitsingt. Die Band setzt mehr auf elektronische Musik und speist sich aus Hip Hop, Jazz und Pop. Diese Elemente werden komplex und teilweise auch avantgardistisch miteinander verwoben. Die Hip Hop Passagen werden immer wieder gebrochen.

Im Mittelpunkt steht natürlich die Stimme von Rebecca Salomea, die mal im Sprechgesang rappt und mal zu dramatischen Höhen aufsteigt. Die Stimme wird oft mit viel Hall unterlegt und wird so ein Raum füllendes Element. Begleitet wird Rebecca von Yannis Anft am Synthesizer und Oliver Lutz an E-Bass und Synthesizer, sowie dem jungen Schlagzeuger Leif Berger, der einen harten Beat beisteuert. Die Musik fordert zur Bewegung auf.

Auch Rebecca Solomea holt sich Unterstützung auf die Bühne. Niels Klein, auch ein Mitglied des Klaeng Kollektivs, spielt bei zwei Stücken Saxophon und Bassklarinette. Zwei wilde großartige Soli. Es ist zu hoffen, dass er bei der bald erscheinenden CD der Band auch als Gastmusiker dabei ist.

Salomea gibt dem Publikumsouligen Gesang, harte Beats, avantgardistische Kompositionen. Jazz, Hip Hop, Indie, Avantgarde oder einfach gute Musik aus alledem und noch viel mehr. Die Band gefällt dem Publikum und wird nicht ohne Zugabe entlassen.

Auch der elfte Abend, den das Klaeng Kollektiv im Stadtgarten kuratiert, hält das hohe musikalische Niveau mit dem die Musiker gestartet sind. Klaeng die Serie sorgt immer fürspannende Musik, die sich nicht auf eingefahrenen Bahnen bewegt.

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