CD-Rezension

Jonas Burgwinkel Medusa Beats |

Hohe Kunst des Trio-Spiels von drei Ausnahmemusikern

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Köln, 28.12.2017 | Zu Stein erstarren wird man beim Hören der CD Medusa Beats von Jonas Burgwinkel nicht, beim dritten Album des umtriebigen Kölner Drummers, Sideman von unzähligen Gruppierungen und KLAENG-Mitglied handelt es sich um eine Trio-Aufnahme mit Benoît Delbecq am Piano und Petter Eldh am Kontrabass, bei der man eher in ein Staunen über die außergewöhnliche Musik einer außergewöhnlichen Besetzung gerät.

Um im Bild der griechischen Mythologie zu bleiben: Die betörende Schönheit Medusa wurde dem Mythos nach in ein Ungeheuer verwandelt, sprichwörtlich sind ihre Schlangenhaare und ihr schreckeinflößendes Äußere, das die männlichen Betrachter zu Stein erstarren ließ. Nun ja, gespenstisch schrecklich ist die Musik von Medusa Beats nun wahrhaftig nicht zu nennen, eher betörend schön. Der Reiz des Albums liegt darin, dass drei preisgekrönte Ausnahmemusiker zu einem ausgesprochen filigran-feinsinnigen Zusammenspiel finden.

Von den zwölf Album-Titeln stammen je fünf aus der Feder von Jonas Burgwinkel und Benoît Delbecq, lediglich das schnelle, rhythmisch vertrackte Bruun verantwortet der Kontrabassist. Eine bluesige Version des Spirituals Soon I Will Be Done With The Troubles Of This World findet ebenfalls den Weg auf die CD, in seiner nachdenklich-langsamen Umsetzung fügt es sich in den Grundtenor des Albums ein.

Die Titel vom Professor für Jazz-Schlagzeug an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz wie Caligula oder das im Tempo variierende Eclectic oder das rockige Stingaloon arbeiten mit rhythmischen Figuren, die von Petter Eldh wunderbar aufgenommen und umspielt werden und mit dem Schlagzeug eine pulsierende rhythmisch-klangliche Einheit bilden. Dazu spielt Benoît Delbecq schnelle Läufe und herrlich verrätselte Akkorde und Cluster. Bei Spa findet das Trio zu einer lyrisch-liedhaften Weise mit ruhigem, ja schleppendem Tempo.

In den fünf Titeln des Pariser Pianisten setzt dieser stärker auf sein „Markenzeichen“, dem Einsatz von Präparationen an seinem Flügel. Spätestens seit seinem fulminanten Solo-Album Circles and Calligrams gilt er als Fachmann für Soundtüfteleien durch Extended technique. Der Album-Titel taucht auch in einer verstörend schönen Trio-Version in Medusa Beats auf. Dem sperrig-kantigen The Loop Of Chicago folgt mit Broken World ein sehr eindringlich schwebendes Stück in schleppendem Tempo. Nach dem düsteren Riddles folgt als Abschluss des Albums Anamorphoses, ein entspanntes Stück mit märchenhafter Spannung, das mit seinem raffiniert verschobenen Rhythmus seinem Titel voll und ganz gerecht wird.

Medusa Beats erreicht mit seinen impressionistischen Preziosen, mit seiner Vielfalt an spielerischen Einfällen eine besondere hypnotische Ästhetik, die den drei gleichberechtigten glänzend aufspielenden Musikern geschuldet ist. Die klanglichen und rhythmischen Effekte sind frei von Selbstzweck oder gar Masche, sondern behutsam zu einem organischen und stimmigen Trialog eingesetzt – eine hohe Kunst des Trio-Spiels!

Jonas Burgwinkel: Medusa Beats. Jazzwerkstatt 179